Nur der günstigste Preis zählt – dafür tut KiK alles. Am Mittwoch war in einer ARD-Doku zu sehen, wie brutal der Textil-Riese seine Mitarbeiter ausbeutet (MOPO berichtete). Bis zuletzt versuchte KiK, die Ausstrahlung des Films zu verhindern – ausgerechnet mit Hilfe des Hamburger Anwalts Walter Scheuerl, der mit seiner Initiative gegen die Schulreform bekannt wurde. Die MOPO sprach mit Scheuerl über seinen zwielichtigen Klienten.
MOPO: Kämpfen Sie gerne für Ausbeuter, Herr Scheuerl?
Scheuerl: KiK ist doch kein Ausbeuter. Da sind viele falsche Behauptungen in Umlauf gebracht worden. Es wird etwa der Eindruck erweckt, die Angestellten könnten von fünf Euro pro Stunde nicht leben. Die Wahrheit ist: Viele der Aushilfen leben von Hartz IV und bekommen durch KiK die Möglichkeit, ihr Einkommen aufzubessern. Auch die Behauptung, KiK lasse sie in unbeheizten Filialen frieren, ist schlicht unwahr.
MOPO: Und für die Näher in Bangladesch ist auch alles halb so schlimm? Kaum jemand lässt seine Beschäftigten dort so leiden wie KiK ...
Scheuerl: Auch das trifft nicht zu. Würde KiK nicht mehr in Bangladesch produzieren, fiele der Broterwerb für viele Näher doch komplett weg. Im Übrigen muss man sich den Realitäten stellen. Ein Großteil der in Europa verkauften Kleidung wird dort produziert, von fast allen großen Unternehmen. KiK bemüht sich, die Bedingungen dort zu verbessern ...
MOPO: Mit ein paar öffentlichkeitswirksamen Aktionen, die vor allem zur PR in der Heimat dienen sollen.
Scheuerl: Wie sich KiK dort engagiert, ist nicht nur angebracht, sondern lobenswert. Tiefgreifende Verbesserungen des Arbeitsstandards herbeizuführen ist aber nicht Aufgabe von Unternehmen, sondern der deutschen Politik.
MOPO: KiK ist nicht der einzige umstrittene Konzern, den Sie vertreten. Auch die Firma Landkost“, die mit einem Tierschutz-Skandal für Aufsehen sorgte, gehört zu Ihren Klienten. Schalten Sie als Anwalt Ihr Gewissen aus?
Scheuerl: Nein. Bei bestimmten Unternehmen würde ich mich weigern, ein Mandat anzunehmen. Bei KiK bin ich allerdings davon überzeugt, dass hier falsche Skandale in der Öffentlichkeit heraufbeschworen werden. Die Konzernführung ist glaubwürdig und ehrlich.
MOPO: Gehen Sie selbst bei KiK einkaufen?
Scheuerl: Bislang noch nicht. Aber ich hätte keine moralischen Bedenken, dort das eine oder andere Teil zu kaufen.