Den Brief mit der Kündigung des Mietvertrages habe ich mit einem Gefühl der Erleichterung eingeworfen", sagt Andi Schmidt. Der Betreiber des weit über Hamburg hinaus bekannten Clubs Molotow am Spielbudenplatz ist mit 45 Jahren nicht etwa ausgebrannt. Er zieht einfach die Reißleine, Ende Dezember ist das Molotow am Ende. Denn sein Kellerclub mit einer Kapazität von etwa 300 Besuchern arbeitet seit Monaten defizitär. "Dabei sind die Besucherzahlen konstant. Doch der Umsatz am Tresen hat sich dramatisch verschlechtert. Es gab Abende mit 200 zahlenden Gästen, und am Tresen hatten wir nicht einmal 400 Euro in der Kasse", so Andi.
Genau diese Einnahmen aber sind wichtig, denn ein Club wie das Molotow hat ähnlich hohe Fix-Kosten für Personal, GEMA oder Strom wie ein doppelt so großer Saal. Diese Kosten müssen durch den Getränkeumsatz erwirtschaftet werden - die Eintrittsgelder decken vor allem Künstler-Gagen und Catering.
Eigenverschulden schließt Schmidt aus, denn "hier arbeiten schon alle für einen Hungerlohn". Und mal wieder das Rauchverbot als Verursacher zu brandmarken, wäre falsch. Schmidt: "Die Leute haben einfach weniger Geld, und das geben sie dann vorher auf der Straße für billiges Dosenbier zum Vorglühen aus. Dazu kommt, dass jeder Laden, der hier verschwunden ist, von der ¸Weltbühne` bis zur ¸Tanzhalle`, und jede Neueröffnung eines Discounters den Kiez uninteressanter für potenzielle Kunden macht." Und Schmidt fügt hinzu: "Vom katastrophal unattraktiven Spielbudenplatz ganz zu schweigen. Da wünscht man sich ja die alten Holzbaracken zurück".
Seinem Schicksal einfach so ergeben will der Clubmacher sich aber nicht - schließlich fühlt er sich seinen Mitarbeitern gegenüber verantwortlich und er liebt seinen Club, nimmt dabei eine dauergleitende Arbeitszeit bei selbstausbeuterischer Entlohnung in Kauf. "Aber sich mit offenen Augen in den Ruin stürzen, das mach ich nicht, denn auch die jährliche Clubförderung im Schnitt von 10000 Euro langt nicht", so der Molotow-Besitzer. Im Moment ist er auf der Suche nach Sponsoren - einem Mäzen oder einem Partner - wohl wissend, dass die Erfolgsaussichten nicht rosig sind. Vieles läuft darauf hinaus, dass die Kulturbehörde der Stadt als alleiniger Retter dastehen könnte. Und zwar, wenn dort aus der Einsicht, dass Hamburgs vielfältige Musikszene mit ihren Bands, Clubs und Labels ein wichtiger Werbeträger und Arbeitgeber ist, entsprechende Konsequenzen gezogen werden.
Bildtext. Mit offenen Augen in den Ruin? Andi Schmidt (l.) und Booker Mario Stresow
Seit 18 Jahren eine Location für gute Musik: das Molotow, hier im April bei einem Konzert von Kettcar
Unten im Keller spielt die Musik: der Eingang zum Molotow-Club auf dem Spielbudenplatz