Kurz wähnt man sich beim Auftakt einer Stadion-Show, als Jochen Distelmeyer am Sonntagabend die Kampnagel-Bühne betritt: Gelbes Scheinwerferlicht flutet die ansonsten karge Halle, während ein Gitarren-Feedback langsam in den kräftigen Beat von "Wohin mit dem Hass?" übergeht. Ein Stück, das Vorbote ist für das am 25. September erscheinende Solo-Debüt des ehemaligen Blumfeld-Sängers.
Und der Song ist ein Brett, passend zum Albumtitel "Heavy". Was sich jedoch trotz des Online-Videoclips noch nicht rumgesprochen zu haben scheint: Nur vereinzelt wackeln Köpfe im Takt - aber Genießer schweigen bekanntlich. Denn Distelmeyer, immer noch seitengescheitelt, immer noch Hang zum Hemd, spielt an diesem Abend viele neue, schöne Lieder. Darunter die Sozialstudie "Er", die Beziehungskiste "Bleiben oder gehen?", das verroht klingende "Hinter der Musik" sowie die wundervolle Zufriedenheitsballade "Murmel". Dann: "Einsam sein ist keine Kunst", singt der 42-Jährige in der flotten Single "Lass uns Liebe sein".
Zum Glück ist der Saal voll und geht mittlerweile gut mit. "Spitze. Das ist sehr lieb. Das war heiß. Danke liebe Freunde", lauten die herzlichen Worte eines Zurückgekehrten.
Ex-Blumfeld-Bassist Lars Precht ist ihm in seine Begleitband gefolgt. Wie auch jede Menge Songs von damals: "Status Quo Vadis" von 1999 etwa, für den er das Publikum gleich mal als Chor verpflichtet. Dann sagt er zärtlich "See you soon, take care, au revoir." Wir freuen uns schon jetzt drauf!
Heidi, Hans und Franz haben sich von Seal getrennt. Dabei hat das penetranteste aller Promi-Paare doch gefühlt so oft geheiratet wie Lothar Matthäus. Da fragt sich die geneigte Leserin: Sind diese alljährlichen Hochzeitswiederholungen am Strand eigentlich mit einer einzigen Scheidung zu erledigen?