Ein Tisch, ein Stuhl, eine schwarze Bühne. Viel mehr braucht der Wiener Burg-Schauspieler Philipp Hochmair nicht, um in den Kammerspielen eine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte von Joseph K., die Franz Kafka in seinem unvollendeten Roman "Der Prozess" beschrieben hat. Ursprünglich hatten Hochmair und die Journalistin Andrea Gerk das Werk als Hörstück veröffentlicht - nun haben sie es szenisch eingerichtet.
K. wird am Morgen seines 30. Geburtstages verhaftet und von einem imaginären Gericht angeklagt, ohne jemals zu erfahren, was ihm zur Last gelegt wird. Zunächst nimmt er die Sache heiter, freut sich über einen freien Arbeitstag. Doch Irrtum: K. ist zwar verhaftet, aber arbeiten darf er trotzdem. Der Prozess läuft und läuft - und es dauert eine Weile, bis K. begreift, wie ernst es um ihn steht. "Man hält dich für schuldig", erklärt ihm ein Geistlicher.
Hochmairs Solo ist im Grunde eine Lesung. Mit klarer Artikulation und feiner Modulation macht er den Text für uns erlebbar. Völlig überflüssig daher sind die Dias, die der Schauspieler ab und an auf eine Leinwand wirft. Wir sind auch ohne sie eine gute Stunde lang gefangen - von Hochmairs Stimme, von Kafkas Sprache und von dieser rätselhaften Geschichte.