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KAMMERSPIEL

Glaubensfrage

Die Story: New York, 1964: An einer Klosterschule in der Bronx führt Schwester Aloysius (Meryl Streep) ein eisernes Regiment, das auf Strenge, Disziplin und Einschüchterung beruht. Ein neuer Lehrer, Pater Flynn (Philip Seymour Hoffman), ist ihr ein Dorn im Auge - denn er setzt auf Zuneigung, liberale Ideen und moderne Erziehungsmethoden. Als die idealistische junge Schwester James (Amy Adams) ihrer Direktorin berichtet, dass Flynn einem schwarzen Schüler allzu viel private Aufmerksamkeit widmet, beginnt Schwester Aloysius einen gnadenlosen Kreuzzug: Sie will Flynn zu einem Geständnis zwingen und ihn von der Schule vertreiben.



Die Schauspieler: Dank Meryl Streeps wunderbar differenzierter Darstellung verkommt die autoritäre Asketin Schwester Aloysius nie zur Karikatur - Streep belässt der verbitterten Moralistin stets ihre Würde. In dem Schauspiel-Schwergewicht Philip Seymour Hoffman hat sie einen ebenbürtigen Gegner gefunden: Sein progressiver Pater Flynn ist ein schillernd zwiespältiger Lebemann und Charismatiker. Als Zuschauer fühlt man sich ständig zwischen beiden hin- und hergerissen - ähnlich wie die gutherzige Schwester James (perfekte Verkörperung der reinen Unschuld: Amy Adams). Und in einer aufwühlenden, atemberaubenden Szene am Schluss spielt Viola Lewis als Mutter des möglicherweise missbrauchten Knaben sogar die großartige Meryl Streep an die Wand! Wie fabelhaft diese Darsteller sind, zeigt schon die Tatsache, dass alle vier (!) mit einer Oscar-Nominierung belohnt wurden.



Der Regisseur: John Patrick Shanley, dessen Drehbuch ebenfalls für den Oscar nominiert wurde, schrieb sein vielfach preisgekröntes Theaterstück, auf dem der Film basiert, im Jahr 2004 als Reaktion auf seine Zweifel an der Berichterstattung über den Irak-Krieg. Es ist eine raffiniert konstruierte, mit brillanten Wortgefechten gespickte Parabel über Zweifel und Glauben. Shanley zeigt: Die Wahrheit ist komplex - nur Lügen sind simpel. Seine präzise, schnörkellose Inszenierung verrät bisweilen einen Hang zu aufdringlicher Symbolik, konzentriert sich jedoch ansonsten ganz auf die Schauspieler und gipfelt in einem faszinierend unkonventionellen Schluss, der zum Nachdenken anregt und den Zuschauer mit seinen eigenen Vorurteilen konfrontiert.



Fazit: Spannendes Kammerspiel mit messerscharfen Dialogen und sensationellen Darstellern.

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Datum:  5.2.2009
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