Es dauert immer länger, bis jugendliche Straftäter verknackt werden. Insbesondere bei schweren Straftaten hat sich die Situation dramatisch verschlechtert.
An Landgerichten dauerte es 2002 im Schnitt 8,4 Monate, bis ein Jugendlicher seine Strafe bekam. 2005 dauerte es schon doppelt so lang: 16,2 Monate!
Die neuen Daten ergeben sich aus der Antwort auf eine SPD-Anfrage. Verhängnisvoll sind die langen Bearbeitungszeiten deshalb, weil Experten dringend anraten, die Strafe möglichst schnell auf die Tat folgen zu lassen - das sei wichtig für den erzieherischen Effekt.
Wenig schmeichelhaft für die CDU ist auch der sprunghafte Anstieg der Intensivtäter. 2005 ist deren Zahl binnen einen Jahres von 580 auf 653 angewachsen. Beschleunigte Jugendstrafverfahren werden im Gegenzug immer seltener angewandt. Lag die Zahl 2001 noch bei 1136, ging sie 2005 auf gerade einmal 944 zurück. Der niedrigste Wert unter einem CDU-Senat.
"Ein Skandal", so SPD-Rechtsexperte Andreas Dressel. "Die Justizbehörde muss die Staatsanwälte anweisen, beschleunigte Verfahren dort anzuwenden, wo es möglich ist." Ebenso sollten bei der Staatsanwaltschaft auslaufende Stellen nachbesetzt werden.
Die Justizbehörde sieht dazu keinen Anlass. "Wir wollen lieber zusammen mit den Gerichtspräsidenten Verfahren schneller machen, führen Gespräche", so Justizsprecher Carsten Grote.