Er ist erschüttert, kann nicht fassen, was geschehen ist. Serkan Bicen (21), Vorstandsmitglied der SPD in Altona, behauptet: Er wurde verprügelt, gedemütigt - von Polizisten. Ohne jeglichen Grund, sagt das Opfer, "weil ich südländisch aussehe".
Alles begann mit einem gemütlichen Kneipenabend mit Freunden in der "Locco-Bar" (Schanzenviertel). Bicen geht am vergangenen Freitag gegen Mitternacht vor die Tür, um zu telefonieren. "Da wurde ich von zwei Polizisten angesprochen. Sie wollten meinen Ausweis sehen, und ich fragte: Warum?" Eine Antwort bekam er nicht, behauptet Bicen. Er habe sein Telefonat unterbrochen, wollte seinen Ausweis aus der Jackentasche ziehen - als ihn plötzlich einer der Polizisten ins Gesicht geschlagen habe. "Dann wurde ich zu Boden gerissen, Handschellen klickten, und die Polizisten traten mit Füßen auf mich ein", schildert Bicen. Später soll einer der Beamten gesagt haben: "Du hättest ja auch ein Messer ziehen können." Zwei weitere Polizisten trafen ein, führten Bicen ab. "Einer sagte: Türken und Co. machen immer Probleme", behauptet der Jungpolitiker. Auf der Wache an der Lerchenstraße musste er sich ausziehen, seine Geldbörse wurde ihm abgenommen. "Da fanden sie dann meinen SPD-Mitgliedsausweis und ließen mich sofort gehen." Bicen fuhr ins Krankenhaus. Diagnose: Gesichtsprellung. "Die haben mich misshandelt und beschimpft, mich wie Abschaum behandelt. Ich bin erschüttert, dass einem so etwas passieren kann", so Bicen. Er ist sicher: "Das haben die nur gemacht, weil ich südländisch aussehe."
Der SPD-Politiker erstattete Anzeige wegen Körperverletzung und Beleidigung. Und was sagt die Polizei zu den Vorwürfen? "Es handelt sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren. Deswegen können wir keine Stellung beziehen", so Thomas Butter, Sprecher der Innenbehörde. Der Vorfall wurde an das Dezernat Interne Ermittlungen (DIE) übergeben, das für die Aufklärung von Beamtendelikten zuständig ist.