Sie sind jung, hübsch und begabt - aber weder in Hollywood noch an der New Yorker "Met", sondern in Hamburg-Eilbek: Yvonne Bernbom und Inken Rahardt, Anfang 30 und Chefinnen des Jungen Musiktheaters Hamburg. Beide sind ausgebildete Opernsängerinnen, haben auf Bühnen zwischen Detmold und New York gesungen. Doch statt weiter an der Karriere zu basteln, setzten sie ihre Vision um: Sie wollten die gute alte Oper auffrischen und für jedermann, vor allem für Kinder und Jugendliche, zugänglich machen. Also gründeten die beiden ihr eigenes "Opernhaus". Das war im Herbst 2002.
Na ja, ein "Haus" haben sie nicht wirklich. Anfangs hatten sie nur ein Büro und eine Probebühne, die allerdings mit 800 Quadratmetern. Seit dem 10. September 2006 haben sie eine feste Spielstätte - beim Nachbarn, der Club-Lounge "H1" an der Conventstraße. Eingetragen sind sie als Verein. Geld verdienen sie als Tourneetheater mit Gastspielen von St. Peter Ording bis Salzburg. Im Repertoire haben sie sechs Opern für Kinder - von Mozarts "Zauberflöte" bis zu Wagners "Der Ring des Nibelungen" - und mehr als 20 Konzert- und Opernprogramme für Erwachsene. "Opera4friends" heißt das neueste Format, das an jedem zweiten Sonntag im Monat im "H1" serviert wird - in legerer Atmosphäre, mit bestens aufgelegten Sängern und wechselndem Motto.
Mit der festen Spielstätte fungiert das Junge Musiktheater als Privatbühne und ist damit ein neuer Wettbewerber auf dem Markt der Privattheaterszene. Und schon hat die Kulturbehörde reagiert: In der nächsten Saison wird die Produktion "Lost Violet" als "zeitgemäße und jugendliche Neuinterpretation der ,La Traviata'" mit 7000 Euro gefördert. Aber "jung" bedeutet nicht nur für Jugendliche. "Bei uns singen junge, ausgebildete Sänger," betont Rahardt.
Apropos "ausgebildete Sänger": Wie stehts denn mit der Kunst der Intendantinnen? Yvonne Bernbom lacht. "Na ja, eigentlich müssten wir täglich üben ..." Aber: "Das schaffen wir nicht, weil wir die Jobs von drei Personen machen." Den Rest erledigen 27 "Aktiv-Jobber", die vom Arbeitsamt vermittelt werden. Doch manchmal müssen auch die "Bürokräfte" singen: Inken Rahardt die Brünhilde im "Ring", Yvonne Bernbom die Pamina in der "Zauberflöte". Das Motto der Powerfrauen: "Nicht der Beginn wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten."