Es beginnt oft mit einer einfachen Schulrauferei. Auch die Bahnhof-Schläger von Harburg waren wegen leichterer Körperverletzungsdelikte vorbestraft, bevor ihre Gewalt ein Menschenleben kostete. Wird in Hamburg genug getan, um auffällige Jugendliche auf den rechten Weg zurückzubringen? Der SPD-Innenexperte Andreas Dressel will mit einer Senatsanfrage klären, ob nach den ersten Taten von Berhan I. und Onur K. angemessen reagiert wurde. Und der Jugendrichter Olaf Masch aus Bergedorf klagt an: Seit Jahren werde die Resozialisierung von jugendlichen Straftätern vernachlässigt.
"Es gibt in fast allen Betreuungsbereichen massive Defizite", so Masch. Nur bei der Jugendgerichtshilfe, die sich meist um Ersttäter kümmert, gebe es keine Engpässe. Für Wiederholungstäter fehlten dagegen Plätze in Anti-Aggresions-Kursen und Betreuungseinrichtungen.
Das Grundproblem laut Masch: "Die Zahl der Betreuungsbedürftigen wächst stetig, aber die Fördermittel der Stadt wachsen nicht mit." Das Konzept der Stadt sei zu polizeilastig und biete wenig soziale Angebote.
Die Sozialbehörden-Sprecherin Jasmin Eisenhut will diesen Vorwurf nicht gelten lassen: "Unser Modell bietet Maßnahmen wie das ,Early-starter`-Programm, das für eine frühe Gewaltprävention sorgt." Für Wiederholungstäter gebe es einen Rechtsanspruch auf psychologische Betreuung. Und: "Die Mittel für die Erziehungshilfe wurden seit 2007 um fast 50 Millionen Euro auf 218 Millionen erhöht." (hei)