Sie schlugen, traten, würgten ihre Opfer und besprühten sie noch mit Pfefferspray: Die Hamburger Polizei hat eine Bande junger Räuber dingfest gemacht, die in wenigen Wochen acht Taxifahrer überfallen hat. Der jüngste Täter ist erst 14 Jahre alt.
Karin T. (42) fährt seit zehn Jahren Taxi, meist nachts. Als am vergangenen Sonnabend um 18.25 Uhr am U-Bahnhof Berne drei junge Leute in ihren Wagen steigen, ahnt sie nichts Böses: "Die waren auffallend freundlich." Das ändert sich blitzschnell, als das Trio am Zielort, dem Anemonenweg in Wandsbek, eintraf. Karin T.: "Einer ging plötzlich zur Fahrertür, trat mir zwei Mal ins Gesicht. Der Zweite würgte mich und der Dritte entriss mir Geldbörse und Funkgerät. Ich hatte Todesangst." Bevor die Räuber ihr Opfer zurücklassen, besprühen sie es mit Pfefferspray. Trotzdem kann Karin T. die Polizei alarmieren. Und die fasst einen 14-jährigen Deutschen und einen 15-jährigen Afghanen Minuten nach dem Überfall.
Karin T., die bei der Attacke Platzwunden im Gesicht und eine Gehirnerschütterung davontrug: "Ich bin der Polizei sehr dankbar, die hat super reagiert." Die 42-Jährige ist vorerst krankgeschrieben. Ihr graut vor dem Tag, an dem sie sich wieder ins Taxi setzen muss: "Ich werde immer Angst haben, dass sich der Horror wiederholt."
Die Raubserie der jungen Verbrecher hatte am 15. Oktober begonnen. Die Täter stiegen in der City in ein Taxi, ließen sich zur Straße Käkenflur (Langenhorn) fahren und raubten dort den Fahrer aus. Am 24. Oktober schlugen die Räuber in Horn und Jenfeld gleich zwei Mal zu. Drei Tage später überfielen sie ein Opfer in Eppendorf. Das Raubdezernat setzte sieben Spezialermittler auf die Bande an. Über Fingerabdrücke konnte der 15-jährige Bengi G. ermittelt und festgenommen werden. Nach dem Überfall auf Karin T. folgte die Festnahme der beiden Täter. Nach tagelanger Observation griff die Polizei auch den 16-jährigen Liwan N. und den 17-jährigen Ahmad S. Gegen vier der fünf Räuber erging Haftbefehl. Nur der 14-Jährige blieb wegen seines Alters auf freiem Fuß. Alle Verhafteten sind wegen Körperverletzung und weiterer Gewaltdelikte bereits polizeibekannt.