Das ist ein echter Hammer. Die seit Juni andauernde Suche nach einem neuen Sportchef hat offenbar ein Ende. Der Nachfolger des im Streit mit HSV-Boss Bernd Hoffmann geschiedenen Dietmar Beiersdorfer soll DFB-Chefscout Urs Siegenthaler werden. Nach MOPO-Informationen wird der 62-jährige Taktik-Guru von Bundestrainer Joachim Löw seinen auslaufenden Vertrag mit dem DFB nicht verlängern, sondern nach der WM beim HSV als Supervisor im sportlichen Bereich anheuern.
Am Dienstag kommt der Aufsichtsrat zusammen und soll die wegweisende Personalie absegnen. Nach dem die Kandidaten Oliver Kreuzer, Spielerberater Roman Grill und Stuttgarts Sportchef Horst Heldt abgelehnt wurden oder selbst abgedankt haben, läuft es nun also auf den DFB-Chefstrategen hinaus.
Der Schweizer soll - anders als sein Vorgänger Beiersdorfer - keinen Platz im HSV-Vorstand erhalten. Und das auf eigenen Wunsch. Der gelernte Bau-Ingenieur ist kein Mann fürs Büro. Er wird sich um Spiel- und Spielerbeobachtungen kümmern, gemeinsam mit Trainer Bruno Labbadia die taktische Ausrichtung festlegen. Der HSV-Coach hatte Siegenthaler während seiner Trainerausbildung als Dozenten, ist seither begeistert von dessen analytischen Fähigkeiten.
Bei einem Treffen mit Labbadia und der Vereinsspitze des HSV haben Siegenthaler und sein neuer Arbeitgeber erste Eckpunkte der neuen Aufgabenverteilung festgelegt. Siegenthaler ist Vorstandsmitglied Katja Kraus unterstellt, muss ihr Bericht erstatten. Vertragsverhandlungen mit potenziellen Zugängen wird er nicht führen. Er soll die Kandidaten ermitteln, Kraus und der HSV-Boss Bernd Hoffmann sind für die Regelung der finanziellen Dinge zuständig.
Der ehemalige Co-Trainer der Schweizer Nationalmannschaft freut sich dem Vernehmen nach darauf, nach fünf Jahren in Diensten des DFB künftig auf Vereinsebene arbeiten zu können. Er soll das Scoutingsystem optimieren, die Effektivität des Nachwuchsleistungszentrums verbessern und die Ausbildung ausweiten. "Im modernen Fußball sind mentale Fähigkeiten gefragt", sagte Siegenthaler einmal in einem "Spiegel"-Interview, "es geht auch darum, besser mit Verletzungen umzugehen, mit seinem Umfeld, mit der eigenen Zukunft." Die Zukunft des HSV wird ab der kommenden Saison eng mit dem Namen Siegenthaler verbunden sein.