Mit Mittelmaß geben sie sich nicht zufrieden in der Familie Newsom. Die eine ist Astrophysikerin, der andere Bürgermeister von San Francisco und die 28-jährige Joanna der Darling des Indie-Folk. Vor vier Jahren jubelten Musikpresse und Feuilleton über ihr geheimnisvolles Album "Ys", eingespielt mit dem legendären Arrangeur Van Dyke Parks (Beach Boys, U2) und Steve Albini, der Bands wie Nirvana oder die Pixies produzierte.
Zwei Mal sollte dieses Meisterwerk auch in Hamburg live präsentiert werden, beide ausverkauften Konzerte fielen kurzfristig aus. Nun hat sich die humorvolle und intelligente Kalifornierin wieder angekündigt, denn nach langem Warten gibt es eine neue Platte der singenden Harfenspielerin, die wegen ihrer Stimmakrobatik gerne mit Kate Bush verglichen wird.
"Have One On Me" heißt dieses neuerliche Geschenk an die Musikwelt, was übersetzt "Ich geb' einen aus" bedeutet. Eine maßlose Untertreibung, denn Joanna Newsom schüttet ein ganzes Füllhorn an Songs aus, dass einem ganz schwindelig wird vor Eindrücken, Details und spielerischen Feinheiten. 18 teilweise episch lange Songs verteilt die Ausnahmekünstlerin auf drei CDs oder Triple-Vinyl. 120 Minuten Musik, für die sie eng mit dem Komponisten, Multiinstrumentalisten und Balkan-Musik-Fachmann Ryan Francesconi aus Portland/ Oregon zusammenarbeitete. War "Ys" noch ein Labyrinth der Klänge, so zeigt sich Newsom auf "Have One On Me" songfokussierter und verzichtet weitgehend auf Gesangseskapaden.
Trotzdem bleiben ihre wunderschönen Lieder ätherisch und überfluten die Sinne mit Reizen, die von orchestraler Opulenz zu akustischer Schlichtheit, von Folk zu Jazz, von osteuropäischen Einflüssen zu Soul reichen. So verschwimmen die Erinnerungen an das zuvor Gehörte, je weiter man sich durch "Have One On Me" treiben lässt. Was bleibt, ist das Gefühl, ein Teil von etwas ganz Großem zu sein.
Heidi, Hans und Franz haben sich von Seal getrennt. Dabei hat das penetranteste aller Promi-Paare doch gefühlt so oft geheiratet wie Lothar Matthäus. Da fragt sich die geneigte Leserin: Sind diese alljährlichen Hochzeitswiederholungen am Strand eigentlich mit einer einzigen Scheidung zu erledigen?