Seine Bescheidenheit hat sich für Jerome Boateng ausgezahlt. Beschwingt vom 4:2-Sieg in der Europa League gegen Hapoel Tel Aviv erreichte den 21 Jahre alten Abwehrspieler am Freitag beim Training die Nachricht von der Nominierung für die deutschen WM-Qualifikationsspiele in Russland (10.10.) und gegen Finnland (14.10.). "Ich bin froh, dass ich in der Nationalelf dabei bin", sagte Boateng, der nun probieren will, einen guten Eindruck zu hinterlassen. "Natürlich hoffe ich auch auf einen Einsatz."
HSV-Trainer Bruno Labbadia nahm die Neuigkeit als Bestätigung seiner Einschätzung des wertvollen Teamspielers auf: "Jerome hat sich die Nominierung durch seine guten Leistungen im Verein auf den verschiedenen Positionen verdient." Für Boateng lief seit dem Sommer alles perfekt: Erst wurde er U21-Europameister, dann verabschiedete sich Coach Martin Jol, der ihn wenig schätzte, aus der Hansestadt. Boateng weinte dem Niederländer keine Träne nach. Jol schob den talentierten Manndecker von einer Position zur nächsten, viel Lob bekam Boateng nicht.
Große Wertschätzung erfuhr er dann bei der Europameisterschaft in Schweden, wo er als herausragender Innenverteidiger glänzte, großen Anteil am Titelgewinn hatte und DFB-Coach Horst Hrubesch zu öffentlicher Kritik an Jol wegen der ständigen Positionswechsel von Boateng veranlasste. Der Profi selbst hielt sich zurück, doch als er im Griechenland-Urlaub erfuhr, dass Jol überraschend zu Ajax Amsterdam weitergezogen war, reagierte er erleichtert: "Martin Jol hat mir kein Vertrauen entgegengebracht, ich habe sogar über einen Wechsel nachgedacht."
Etwas Besseres als Bruno Labbadia, der den Nachwuchs-Assen deutlich mehr vertraut als sein Vorgänger, hätte Boateng gar nicht passieren können. "Er macht einen tollen Job und setzt auf mich", erzählt der Deutsche mit afrikanischen Wurzeln. Ghana als Heimatland seines Vaters ließ er sich auf den Arm tätowieren, der afrikanische Name Agyenim prangt auf dem Unterarm. Mit Trainingsfleiß hat sich Boateng auch nach der anstrengenden U21-EM schnell neben Joris Mathijsen im HSV-Abwehrzentrum festgespielt. Und wenn Labbadia ihn für die Außenpositionen der Abwehrkette braucht, hilft der 1,90 Meter-Schlaks ohne Murren aus.