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JAHRESRÜCKBLICK

Tops und Flops des Kinojahres

Kino-Deutschland erlebte nicht nur ein Sommermärchen, sondern ein Erfolgsjahr wie lange nicht mehr. Die Branche freut sich über ein Plus von fünf bis zehn Prozent bei Besuchern und Umsatz. Besser noch: Der deutsche Film erzielte im ersten Halbjahr einen Marktanteil von fast 20 Prozent und damit den höchsten Stand seit 1997.



Gleich drei Mal wurde die magische Drei-Millionen-Besucher-Hürde übersprungen, "Das Parfum", "7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug" und "Deutschland - ein Sommermärchen" waren die großen Publikumsfavoriten. Die WM-Doku von Sönke Wortmann avancierte mit fast vier Millionen Zuschauern gar zum erfolgreichsten Dokumentarfilm aller Zeiten.



Ambitionierte Werke erzielten gleichfalls Traumergebnisse. Das kleine, feine bayerische Drama "Wer früher stirbt, ist länger tot", der Erstlingsfilm von Marcus Rosenmüller, wurde mit mehr als einer Million Zuschauern zum sensationellen Überraschungscoup. Noch erfolgreicher fiel die Bilanz für das Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" aus: Neben 1,5 Millionen Kinogängern und glänzenden Kritiken bei den internationalen Festivals gab es den Europäischen Filmpreis für Hauptdarsteller Ulrich Mühe, sogar ein Oscar scheint in Reichweite. Der Preisregen bei der Berlinale schimmerte gleichfalls heftig schwarz-rot-gold: Silberne Bären gab es für Jürgen Vogel in "Der Freie Wille" und Moritz Bleibtreu in "Elementarteilchen", in der Damenriege stand Sandra Hüller für das Exorzistendrama "Requiem" auf dem Berliner Siegertreppchen.



In Anbetracht solcher Erfolge lassen sich Flops wie das misslungene Rumänen-Melodram "Offset" von Didi Danquart oder das hölzerne Frauenporträt "Ich bin die andere" der Margarethe von Trotta leicht vergessen, von der Kannibalen-Biografie "Rohtenburg" ganz zu schweigen, die nach gerichtlichem Verbot das Licht der Leinwand hierzulande erst gar nicht erblickte. Den kolossalen Schiffbruch, den Wolfgang Petersen mit seinem Remake des Katastrophen-Klassikers "Poseidon" erlitten hat, kann man getrost der Traumfabrik-Bilanz ankreiden. Dort schmoren noch allerlei andere Flop-Leichen. Allen voran das verunglückte Filmchen "Marie Antoinette" von Sofia Coppola, das ähnlich viel Spott über sich ergehen lassen musste wie die spannungslose Bestsellerverfilmung "The Da Vinci Code - Das Sakrileg" mit Tom Hanks.



Die Haben-Seite von Hollywood kann sich indes durchaus sehen lassen. Ang Lees Drama "Brokeback Mountain" um zwei schwule Cowboys hat oscarprämierte Kinogeschichte geschrieben, mit "World Trade Center" von Oliver Stone und dem Doku-Drama "Flug 93" wurde erstmals der Terroranschlag des 11. September 2001 für die große Leinwand thematisiert, "Road to Guantanamo" kümmerte sich um die Gefangenen auf der kubanischen US-Basis, derweil Al Gore als Ex-Vizepräsident der USA in "Eine unbequeme Wahrheit" höchst eindrucksvoll vor dem globalen Klimawandel warnte.



Unbequem auf etwas andere Art präsentierte sich die Pseudo-Dokumentation "Borat", deren subversive Komik über Hinterwäldler in Kasachstan und Amerika derzeit die Gerichte beschäftigt, weil sich ahnungslose Darsteller als unfreiwillige Objekte der Häme sehen. Ganz ähnlich hatte sich ein gewisser Daniel Craig gefühlt, der als neuer James Bond während der Dreharbeiten einen wahren medialen Spießrutenlauf ertragen musste: zu blond, zu weich. Erst auf der Leinwand überzeugte er mit "Casino Royale" nicht nur seine Kritiker, sondern auch das Publikum. Anders als beim "Superman"-Remake, das keiner sehen wollte, strömten die Zuschauer zum runderneuerten britischen Supermann. Die Fünf-Millionen-Grenze wird von den Kinos bereits angepeilt - Deutschland, auch ein 007-Märchen.

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Datum:  21.12.2006
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