Sie ist jung, schätzungsweise 16, hübsch, trägt Jeans, T-Shirt, Turnschuhe - und stirbt vor den Augen der vernetzten Welt. Neda, ein unbekannter Teenager aus Teheran, ist die Heldin der globalen Online-Community. In einem 38-Sekunden-Clip auf Youtube stirbt Neda, vermutlich aus dem Hinterhalt erschossen von Snipern der berüchtigten Basidsch-Miliz - das zumindest behaupten jene, die den Film ins Netz gestellt haben.
Männer versuchen noch, dem Mädchen, das uns anzuschauen scheint, zu helfen, wollen die Blutung aus der Wunde am Hals stoppen. Vergeblich. "Neda, verlass mich nicht", schreit einer der Männer auf Persisch.
Der Clip sei "authentisch und glaubwürdig", urteilt Hadi Ghaemi, Chef der "International Campaign for Human Rights" in New York - abstoßend authentisch. Und obwohl weder ihr Name, die Herkunft, nicht einmal der Zeitpunkt und die Umstände ihres Todes zweifelsfrei feststehen, ist Neda längst zum Symbol geworden. Zur Heldin der mutigen Jugend Irans, die bereits laut "Neda" skandiert.
Es gibt eigene Internet-Foren, die sich dem Schicksal des unbekannten Mädchens widmen, denn das brutale Video versinnbildlicht auf dramatische Weise, worum es im Iran geht: Junge Leute riskieren im Kampf gegen das antiquierte Weltbild der Mullahs ihr Leben. Da, wo ein Dialog über die Zukunft des repressiven Systems überfällig wäre, zerstören Schüsse jede Hoffnung auf Veränderung.
Mit den Worten "Neda starb mit offenen Augen. Es ist eine Schande, mit geschlossenen Augen weiterzuleben", prangert bei Twitter ein User namens "Farzi598" das Schweigen der Welt an. "Ein junges Mädchen stirbt, weil alte Männer es ablehnen, neue Wege zu gehen", empört sich "NewBernsKevinG". "Neda, Neda, Neda - mein Herz blutet. Wir werden dich nie vergessen", schreibt "Raysoleimani".
Inzwischen hat Neda, das Gesicht der Revolution, ein eigenes Symbol bekommen: ein grünes Herz, durch welches ein Riss geht, darunter steht ihr Name.