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INTERVIEW WERNER HERZOG

»Das akademische Getue um Film staubt mir zu den Ohren heraus!«

Kultregisseur Werner Herzog (67) gilt als unberechenbarer, medienscheuer Exzentriker mit einem Faible für das Scheitern überlebensgroßer Helden. Nun inszenierte er ein Remake des Ferrara-Klassikers "Bad Lieutenant", in dem ein schwer drogenabhängiger Cop am gewalttätigen Morast seines Berufsalltags in New Orleans zu ersticken droht.



plan7: Es ist auffallend, dass wirklich jeder Schauspieler von Gewicht gerne mit Ihnen drehen würde.



Werner Herzog: Alle, alle wollen sie das.



plan7: Viele sagen nach der Arbeit mit Ihnen, es sei ein unglaubliches Erlebnis gewesen. Wieso ist das so?



Herzog: Das ist Teil meiner Aufgabe. Wenn ich es nicht in mir hätte, das Beste aus den Schauspielern herauszuholen, wäre ich fehl am Platz. In dem Fall fangen Sie besser gar nicht an, Filme zu machen.



plan7: Sie haben mit vielen Stars gearbeitet, die für Ihre Vorgaben am Set berüchtigt sind. Sind Allüren bei Ihren Dreharbeiten verboten oder vielleicht sogar erwünscht?



Herzog: Ich versuche, Allüren zu vermeiden, weil sie kontraproduktiv sind. Ich erzähle Ihnen eine Episode über Eva Mendes: Ich fragte sie nach ihren Bedürfnissen am Filmset. Sie sagte, dass sie eine Entourage von zwölf Personen benötige. Ich fragte: "Brauchen Sie das wirklich?" Sie antwortete: "Ja, das ist so das Ritual. Mein Agent, mein Businessmanager und meine Anwälte verlangen so etwas." Ich sagte dann zum Spaß, dass ich aber nicht den Psychiater ihres Hundes am Drehort antreffen möchte. Da lachte sie fürchterlich.



plan7: Und wie haben Eva Mendes und Cage dann reagiert?



Herzog: Eva Mendes brachte nur zwei Personen mit: ihre Make-up-Frau und einen Chauffeur, der gleichzeitig ihr Bodyguard war - weil ihr nämlich seit geraumer Zeit Irrwütige nachstellen. Nicolas Cages Team war ähnlich reduziert. Da ich die Budgets von Anfang an kontrollierte, war jedem klar, dass wir das Geld nicht in den luxuriösesten Campingtrailer am Set stecken werden, sondern dass es auf der Leinwand erscheinen soll. Den Film habe ich dann zwei Tage früher abgedreht, 2,6 Millionen Dollar unter Budget. Jetzt will mich der Produzent heiraten.



plan7: Wenn Filmtheoretiker sagen, der Begriff "Herzog-Film" sei schon eine Genrebeschreibung für sich: Finden Sie, dass das eine schöne Aussage ist oder können Sie das nicht unterschreiben?



Herzog: Das ist mir gleichgültig. Die ganzen Filmstudien und das akademische Getue um Filme herum staubt mir zu den Ohren heraus.



plan7: Drehen Sie deshalb einen Film nach dem anderen, um sich immer wieder am Traum des ultimativen Werks zu versuchen?



Herzog: Ach was, ich habe da kein Programm. Sehen Sie, ich werde immer wieder nach meiner Karriere gefragt. Ich hatte nie eine Karriere! Eine Karriere hat jemand, der methodisch daran arbeitet. Jemand, der in der Bestsellerliste nachsieht, aus welchem Erfolgsroman man am besten einen Film machen könnte. Das hat es bei mir nie gegeben.



plan7: Auch wenn Sie Ihre Leistungen nicht als Karriere bezeichnen: Sind Sie stolz auf das, was Sie erreicht haben?



Herzog: Doch, dieses Gefühl gibt es bei mir auch. Aber nur dann, wenn die Elemente richtig zusammenpassen. Zum Beispiel in "Bad Lieutenant", ja. Ein großartiger Schauspieler, eine richtig gute Geschichte, der richtige Schauplatz, schwärzester Humor, schnell und leicht inszeniert. Aber dieses Gefühl von Stolz stellt sich erst dann ein, wenn ich merke, dass der Film auch beim Publikum Anklang findet.

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Datum:  25.2.2010
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