MOPONews
News

INTERVIEW

Werner Grassmann hat Hamburgs Film-Wüste belebt

Nach dem Krieg gründete er das "Studio 1" an der Schmilinskystraße - eines der ersten Programmkinos überhaupt - mit nur 25 Sitzplätzen. Mit dem Abaton bereicherte er ab 1970 Hamburgs Kulturszene mit dem anspruchsvollsten Filmtheater der Stadt. Nun hat der 83-Jährige seine geistreichen Erinnerungen geschrieben: "Hinter der Leinwand". Am Sonntag stellt er sie vor - natürlich im Abaton!



MOPO: Herr Grassmann, seit jeher wollten Sie das "andere" Kino machen. War das von Anfang an ein Schwimmen gegen den Zeitgeist?



Grassmann: Eigentlich schon. Die Filme, die ich sehen wollte, gab es ja nicht im Kino - in Hamburg sowieso nicht. Und wie jeder andere Filmemacher wollten meine Freunde und ich auch die eigenen Filme im Kino sehen. Aber es hat sich sehr schnell herausgestellt, dass wir gar nicht so viele Filme machen konnten, um ein ganzes Programm zu bestücken. Deswegen mussten wir andere Filmkunst ins Kino bringen - und das haben wir keineswegs bereut.



MOPO: Sie sprechen von der "Sucht, Filme zu machen". Was war denn Ihr Erweckungserlebnis?



Grassmann: Charlie Chaplin - im Jahr 1953. Davor hatte ich keine Ahnung, dass es solche Filme gibt. Sie waren lustig, aber unglaublich sozialkritisch. Das fand ich eine großartige Mischung.



MOPO: Es gab vor und nach dem Krieg in Hamburg unzählige Kinos - dennoch mussten Sie Ihr eigenes Minikino eröffnen. War Hamburg eine Kino-Wüste?



Grassmann: Hamburg war nie eine Filmstadt, bis heute nicht. In den Kinos wurden nur Schnulzen gezeigt. Es gab noch Filmklubs, aber die fanden meist in irgendwelchen Gewerkschaftsräumen statt.



MOPO: Das Abaton ist aus Hamburg nicht mehr wegzudenken. Hatten Sie immer das Gefühl, von der Stadt unterstützt zu werden?



Grassmann: Ich bin nie unterstützt worden - im Gegenteil. Ich habe mich immer wehren müssen, um das durchzusetzen, was ich wollte. Mit der Stadt habe ich bis zur Jahrtausendwende häufig Schwierigkeiten gehabt. Erst dann hat man gemerkt, dass das Abaton doch eine kulturelle Institution ist.



MOPO: In Ihrem Buch erscheint die damalige Filmlandschaft sehr viel aufregender als die heutige.



Grassmann: Heute ist alles auf Erfolg getrimmt. Wenn ein Film nach einer Woche nicht die notwendigen Besucher hat, fliegt er aus dem Programm. Im Übrigen gibt es so viele Filme, dass man gar nicht alle zeigen kann - eine Sintflut. Da freut man sich über Filme wie Fatih Akins "Soul Kitchen". Ein toller Film. Und die Kasse stimmt auch.

Weitere Meldungen News
Diese Bilder zeigen den mutmaßlichen iPhone-Dieb „Nelson“ (oben links), seine schwangere Freundin sowie einen Kumpel. Außerdem habe „Nelson“ Zeit, einen schönen Sonnenuntergang zu einzufangen, schreibt iPhone-Besitzerin Katy.

Der iPhone-Dieb knipste munter drauf los. Dumm nur, dass die eigentliche Besitzerin einen „Cloud“-Dienst von Apple aktiviert hatte: Von dem gestohlenen iPhone werden jetzt die Bilder des Mannes auf ihren Rechner übertragen.  mehr...

Superstar Lady Gaga hat Ärger mit ihren thailändischen Fans.

Der Superstar hat ihre asiatischen Fans gegen sich aufgebracht: Während ihrer aktuellen Tour kündigte sie an, in Bangkok eine gefälschte Marken-Uhr kaufen zu wollen. Es ist nicht der erste Eklat auf ihrer Asien-Tour.  mehr...

Bettina Wulff (l.) und ihre Nachfolgerin Daniela Schadt vor dem Schloss Bellevue.

Daniela Schadt löst ihre Vorgängerin ab: Die Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck ist neue Schirmherrin von Unicef. Sie übernahm das Amt von Bettina Wulff.  mehr...

Datum:  12.3.2010
Empfehlen: E-Mail
Kontakt: Redaktion
Artikel: Drucken
Typisch Frau

Der Mai ist da, die Leute heiraten. So mit Mitte zwanzig kriegt die Frau die ersten „Hurra, wir trauen uns“-Einladungen.