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INTERVIEW TOCOTRONIC

"Wir hatten schon immer Lust an Albernheiten"

Pure Vernunft, nein danke: Tocotronic sind wieder da

Ernst blicken sie drein. Dabei haben die Herren von Tocotronic mit "Schall und Wahn" ihr bisher humorvollstes Album aufgenommen. Bei vielen Texten scheint Loriot Pate gestanden zu haben. So albern der Ansatz, so archaisch die Themen: Liebe, Tod, Verbrechen und Musik. Vom Acht-Minüter bis zum kurzen Punkrock-Song - alles ist dabei. Tocotronic sind einfach nicht zu fassen, wie Sänger und Songschreiber Dirk von Lowtzow (38) und Drummer Arne Zank (39) bestätigen.



MOPOP: Für eine als verkopft geltende Band albern Sie diesmal textlich sehr herum.



Dirk von Lowtzow: Bei uns gibt's schon immer eine totale Lust an Albernheit. Aber wenn in Deutschland etwas nicht 100 Prozent als lustig gekennzeichnet ist, wird es eben nicht immer als lustig verstanden. Vielleicht ist unser Humor einfach zu komplex. (lacht)



Arne Zank: Diese Trennung von Kopf und Bauch habe ich sowieso nie verstanden. Entweder macht es "Peng" oder nicht. Da gehören Texte, die einen zum Nachdenken bringen ebenso dazu wie Musik, die man ganz laut drehen will.



MOPOP: Sie sagen, Ihr neues Album sei ein "Zwitterwesen". Weshalb?



Von Lowtzow: Eine große Qualität der Band ist ihre Komplexität und Vielschichtigkeit. Diesmal wollten wir diese Ebenen auch zeigen, nachdem die letzten Alben sehr ähnlich im Sound waren.



MOPOP: Sie wollten bewusst gegensteuern?



Von Lowtzow: Genau. Unser letztes Album "Kapitulation" wurde als Gegenwartsdiagnostik wahrgenommen. Jetzt geht es nicht mehr um eine festlegbare Meinung, sondern eher um etwas Oszillierendes. Auch innerhalb der Stücke - von sehr leise bis zu einem totalen Inferno am Schluss.



MOPOP: Ihre Single heißt "Macht es nicht selbst" - dabei wollten Sie nach "Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein" nie wieder plakative Songtitel schreiben.



Von Lowtzow: Es ist wichtig, dass man das, was man irgendwann aufgebaut hat, auch wieder zertrümmert. Dann kann man sich bestimmte Sachen auch wieder erlauben.



Zank: Das ist ja auch was, was wir seit den Smiths selbst mögen: Wenn ein Songtitel einem das ganze Leben erklären kann.



MOPOP: In Ihre Platte soll man "sich reinsteigern", sagen Sie. Wieso?



Von Lowtzow: Situationen, in denen man die Kontrolle verliert, sind extrem interessant. Die Rockmusik ist ja auch mal angetreten, Wände zu durchbrechen und das Bewusstsein zu erweitern. Heute ist aber vieles, was besonders rockig daherkommen will, ungefähr auf dem freakigen Niveau der Hamburger Sparkasse.

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Datum:  14.1.2010
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