Schräge Geschichten, merkwürdige Typen und düstere Welten sind das Markenzeichen Tim Burtons (51). Die MOPO traf den amerikanischen Regisseur ("Sleepy Hollow"), der seit mehr als zehn Jahren mit seiner Frau Helena Bonham Carter in England lebt, zum Gespräch über 3-D-Technik, das Filmgeschäft und die Fantasie.
plan7: Ist 3-D tatsächlich die Zukunft des Kinos?
Tim Burton: Im Moment ist 3-D natürlich ein einziger Hype. Aber als ich vor ein paar Jahren mit der Entwicklung dieses Projektes begann, feierte man 3-D noch nicht als Rettung des Kinos. Damals wurden nur Animationsfilme und ein geheimnisvolles Projekt mit dem Titel "Avatar" in dieser Technik entwickelt. Ich bin froh, dass ich den Film jetzt gemacht habe, weil ich meine Ruhe hatte. Nach "Avatar" will man ja plötzlich völlig hysterisch alles in 3-D drehen. Da werden in den nächsten Jahren die seltsamsten Projekte auf uns zukommen, eine Menge schlechte Filme. Wissen Sie, in Hollywood hat man die Tendenz, Trends zu verschlafen. Innovative Projekte werden so lange auf Eis gelegt, bis auch der Letzte sicher ist, damit Geld zu verdienen. Und plötzlich springen dann alle gemeinsam auf denselben Zug.
plan7: Das klingt, als seien Sie gar nicht so besonders begeistert von dieser Technik?
Burton: Im Gegenteil. Sie ist ein wunderbares neues Werkzeug für einen Filmemacher. Nur sollte man jetzt nicht jeden Film in 3-D drehen. Am Ende wird es sein wie in jedem Genre: Wir werden gute und schlechte Versionen sehen.
plan7: Hat sich das Filmgeschäft seit Ihren Anfängen verändert?
Burton: Grundlegend. In den Studios ist man verunsichert, wie es weitergehen soll. Erst hat man den Markt mit DVDs überschwemmt, um mehr Geld zu machen. Seit das nicht mehr funktioniert, ist nun 3-D das neue Allheilmittel. Aber es gibt auch Positives: Vor vielen Jahren waren die Kinos so schäbig und heruntergekommen, dass man gar keine Lust mehr hatte, Filme zu sehen. Jetzt bauen sie diese neuen schönen Filmtheater, damit wird der Besuch wieder zum Erlebnis.
plan7: Was fasziniert Sie so an den bizarren Welten, die Sie in Ihren Filmen auf die Leinwand bringen?
Burton: Es gibt ja Kritiker, die mir vorwerfen, ich würde "nur" Fantasy-Filme machen. Aber warum soll unsere Fantasie unwichtiger sein als die sogenannte Realität? In "Alice" wird die Fantasie-Welt auf einmal Realität. Es gibt viele Themen in diesem Film, die mich seit Langem beschäftigen. Wo ich aufgewachsen bin, wurden alle Menschen kategorisiert. Filme zu machen, war meine Art der Gegenwehr.
plan7: Filmemachen ist für Sie also auch Therapie?
Burton: Unbedingt! Aber eine sehr teure Therapie (lacht).
plan7: Und - wirkt die Behandlung?
Burton: Wissen Sie, ich habe mich immer als Außenseiter gefühlt. Und egal, wie erfolgreich du wirst, was für eine liebevolle Familie und gute Freunde du später hast. Dieses Gefühl bleibt, es vergeht nicht.
plan7: "Alice" ist sehr britisch geworden. Sind Sie inzwischen im Herzen mehr Brite als US-Bürger ?
Burton: Es ist komisch. Ich bin Ende der 80er Jahre nach Großbritannien gekommen, um "Batman" zu machen. Da glaubte ich ernsthaft, schon einmal dort gelebt zu haben. Irgendetwas muss mich aus einem früheren Leben mit diesem Land verbinden. Ich fühlte mich sofort zu Hause. Ehrlich gesagt, fühlte ich mich das erste Mal in meinem Leben überhaupt irgendwo zu Hause. Seit zehn Jahren lebe ich jetzt permanent in England, und mir gefällt hier einfach alles, sogar das Wetter. In Kalifornien scheint mir einfach zu oft die Sonne.