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INTERVIEW

Tim Burton

Meisterlich beherrscht Tim Burton das Skurrile. Mit Johnny Depp bildet er ein geniales Duo, das Filme wie "Edward mit den Scherenhänden", "Ed Wood", "Sleepy Hollow" und "Charlie und die Schokoladenfabrik" auf die Leinwand brachte. Und auch in der Musical-Verfilmung "Sweeney Todd" arbeiteten sie wieder zusammen. Die MOPO sprach mit dem 49-jährigen Regisseur.



plan7: Sie haben Johnny Depp vor der Kamera zum Singen gebracht. Gibt es irgendetwas, das er nicht für Sie tun würde?



Burton: Ballett tanzen vielleicht ... (lacht).



plan7: Warum lieben Sie sich so sehr?



Burton: Als Regisseur muss ich Johnny einfach lieben. Er probiert alles aus. Er hat noch nie vor der Kamera gesungen und wagt sich gleich an eines der schwierigsten Musicals, das jemals geschrieben wurde. Das sagt eigentlich alles. Außerdem ist es ihm egal, wie er aussieht. Glauben Sie mir, ein so komplett uneitler Schauspieler ist ein großes Geschenk.



plan7: Ist Sweeney Todd ein entfernter singender Verwandter von Edward mit den Scherenhänden?



Burton: Die Verbindung besteht doch nur darin, dass beide mit scharfen Instrumenten hantieren. "Edward" liegt schon so lange zurück, ich habe das Gefühl, wir waren damals andere Menschen - irgendwie optimistischer, und so wirkte auch der Film. Sweeney ist viel verschlossener, düsterer. Eine Art Edward mit Dauerdepression. Es war für mich faszinierend, Johnny beides spielen zu sehen. Ich glaube, Sweeney ist sogar eine der besten Rollen, die er bislang gespielt hat.



plan7: Machen Sie sich keine Sorgen, der Film könnte sein Geld nicht wieder einspielen? Einfach, weil er sehr, sehr blutig ist?



Burton: Das ist ein Risiko. Aber ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich das Musical zum ersten Mal in London sah. Vor mir saßen zwei sehr britische Ladys, die sich während der Vorstellung unterhielten. Und als das Blut zum ersten Mal über die Bühne spritzte, waren sie kurz still. Dann sagte die eine: "War das wirklich notwendig?" Ich fand schon damals, es war sehr wohl notwendig (lacht)!



plan7: Weniger Blut ging also nicht?



Burton: Ich habe andere, politisch korrekte Shows gesehen. Aber ohne das Blut fehlt einfach etwas Entscheidendes. Das macht den ganzen Charakter der Geschichte aus. Ich gehe gerne Risiken ein. Und es macht mir großen Spaß, etwas zu drehen, das in keine Kategorie passt. Irgendetwas zwischen Musical und Splattermovie.



plan7: Ihre Freundin Helena Bonham Carter spielt die weibliche Hauptrolle. Sie haben aber auch andere Schauspielerinnen getestet ...



Burton: So wie Sie es formulieren, klingt es ein bisschen unanständig ... (lacht). Es gab dafür einen ganz einfachen Grund: Einen Film wie diesen hatte ich noch nie gemacht. Und es sollte nicht so aussehen, als ob ich den Job einfach meiner Freundin zuschanze. Deswegen habe ich sie vielleicht etwas härter geprüft als früher. Ich wollte ganz sichergehen, dass sie die Richtige für diese Rolle ist. Und das ist sie.

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Datum:  21.2.2008
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