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INTERVIEW STEVEN SODERBERGH

»Ich war total fasziniert von diesem Typen«

Schon für sein Spielfilmdebüt "Sex, Lügen und Video" gewann Steven Soderbergh die Goldene Palme von Cannes, zwölf Jahre später bekam er den Oscar als bester Regisseur für seinen Drogen-Thriller "Traffic". Mit "Out Of Sight" machte er George Clooney und Jennifer Lopez zu Kinostars, mit "Erin Brockovich" bescherte er Julia Roberts einen Oscar. Seine größten Kassenerfolge feierte Soderbergh mit der "Ocean's"-Trilogie. Beim Filmfestival von Deauville sprach die MOPO mit dem 46-jährigen Filmemacher über seine Satire "Der Informant!".



plan7: Wie haben Sie reagiert, als Sie zum ersten Mal von Mark Whitacre hörten, der sich vom Biedermann zum Brandstifter wandelte?



Soderbergh: Ich war völlig fasziniert von seiner verrückten Laufbahn - und von diesem Typen, der sich ständig selbst Knüppel zwischen die Beine wirft. Er ist nicht nur der Held der Geschichte, sondern auch sein eigener Gegenspieler. Ich hielt das für einen idealen Filmstoff. Die Story ist so irrwitzig, dass man als Zuschauer dabei unmöglich ernst bleiben kann. Also habe ich beschlossen, eine Komödie daraus zu machen.



plan7: Matt Damon hat sein Aussehen für die Titelrolle völlig verändert.



Soderbergh: Ja, wir haben ihn so gnadenlos hergerichtet, dass er während der Dreharbeiten sogar von Passanten nicht erkannt wurde. Ich wollte, dass er einen schwammigen Typen spielt, bei dem man nie genau weiß, woran man ist. Matt ist wunderbar wandlungsfähig - und er kennt überhaupt keine Angst. Für den Film hat er sich bereitwillig 15 Kilo angefuttert. Natürlich war ihm auch bewusst, dass man wohl nur ein Mal in seinem Leben so eine Rolle angeboten bekommt.



plan7: Ist er denn die Pfunde wieder losgeworden?



Soderbergh: Ich war schockiert, wie schnell er wieder sein Normalgewicht erreichte. Kurz nach Ende unseres Drehs musste er in einem anderen Film einen attraktiven Mann verkörpern - und es gibt keine bessere Motivation zum Abspecken als die Verpflichtung, vor einer Kamera zu stehen. Das sollte man in jedes Diätprogramm aufnehmen!



plan7: Sie haben schon zum fünften Mal mit Matt Damon gearbeitet. Sind Sie Freunde geworden?



Soderbergh: Ich verwende das Wort sehr sparsam - auch deshalb, weil ich finde, dass es blöd klingt, wenn man einen Filmstar als seinen Freund bezeichnet. Also würde ich sagen: Nein, wir sind bloß Kollegen. George Clooney hingegen ist mein Freund, und ich verrate Ihnen auch gerne, warum: Weil ich schon mal bei ihm zu Hause war. Im Gegensatz zu Matt hat mich George nämlich bereits zu sich eingeladen!



plan7: Stimmt es, dass George Clooney, Brad Pitt und Matt Damon sich bei den "Ocean's"-Dreharbeiten ständig gegenseitig Streiche gespielt haben?



Soderbergh: Ja. George hat damit angefangen. Aber der spektakulärste Coup ist Brad gelungen: Vor den Dreharbeiten zu "Ocean's Twelve" in Rom hat er heimlich eine Anweisung an das italienische Filmteam verteilt, in der es hieß, es sei George Clooneys Wunsch, am Set ausschließlich als "Mr. Ocean" angesprochen zu werden. Die Crew hat sich tatsächlich daran gehalten, und sogar die Zeitungen haben über Clooneys angeblichen Spleen berichtet. George war deswegen total angepisst, und er wird sich fürchterlich an Brad rächen. Er hat eine beängstigende Geduld. Ich garantiere Ihnen, dass ihm eines Tages ein Knüller gelingt, der Brads Karriere zerstören wird!

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Datum:  5.11.2009
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