Ihre größten Leinwanderfolge feierte Sherry Horman bisher mit Komödien. Allein "Irren ist männlich" mit Herbert Knaup und Corinna Harfouch lockte Mitte der 1990er Jahre über 1,5 Millionen Besucher in die Kinos. Fürs Fernsehen inszenierte die Filmemacherin außerdem Episoden der Krimiserien "Bella Block" und "Der Kriminalist". Mit der Bestsellerverfilmung "Wüstenblume" wagte sich Horman nun an einen schwereren Stoff, ohne deshalb gleich ihren leichtfüßigen Stil aufzugeben. Plan7 traf die 49-jährige Regisseurin beim Filmfestival in Oldenburg, das ihr Film feierlich eröffnete.
Plan7: Wie sind Sie dazu gekommen, "Wüstenblume" für die Leinwand umzusetzen?
Sherry Horman: Verpackt in eine weiße Plastiktüte, schob mir der Produzent Peter Herrmann eines Tages das Buch über den Tisch. Er wollte von mir Gründe, warum man gerade diesen Roman verfilmen sollte. Ich kannte "Wüstenblume" bis dahin gar nicht. Ich gehe im Buchladen immer gleich zu den hinteren Regalen durch, um Autoren zu unterstützen, die sonst keiner liest. Ich nahm mir also die Geschichte vor, und sie fesselte mich augenblicklich. Mir war sofort klar, dass es in der Erzählung um das Menschsein an sich geht - und deshalb wollte ich unbedingt einen Film daraus machen.
Plan7: Wie verlief das erste Treffen mit Waris?
Horman: Wir haben uns in einem Restaurant getroffen und die ersten 40 Minuten kein Wort gesprochen. Es war schrecklich. Sie saß mir gegenüber und zerlegte ihren Fisch sorgfältig in seine Bestandteile. Dann wurde mir klar, dass Waris hier vor einer fremden weißen Frau sitzt, der sie ganz Persönliches aus ihrem Leben offenbaren soll. Deshalb fing ich an, ihr aus meinem Leben zu erzählen. So fassten wir langsam Vertrauen zueinander. Zum Abschluss musste ich ihr dann zwei Dinge versprechen: Mit dem Thema Genitalverstümmelung respektvoll umzugehen und einen Film zu machen, über den man weinen und lachen kann.
Plan7: Wie hat das Publikum bisher auf Ihren Film reagiert?
Horman: Ich war überrascht, dass auch viele Männer den Film sehr gut fanden. Einige Frauen waren wegen der Verstümmelungen natürlich aufgewühlt. Der größte Teil war von diesem bewegt-bewegenden Leben aber einfach nur begeistert. Trotz allem, was ihr widerfahren ist, hat es Waris von der Ziegenhirtin in Somalia zur UN-Sprecherin in New York gebracht. Da ist etwas, das über das Anliegen, die Tradition weiblicher Genitalverstümmelung zu beenden, hinausgeht - eine wahre Heldengeschichte nämlich.
Plan7: Gibt es schon Reaktionen aus Somalia?
Horman: Nach einer Vorführung in Berlin hat uns Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul zugesagt, einen Kinostart in Afrika logistisch zu unterstützen. Ein solcher Beistand seitens der Regierung ist ein wichtiger Schritt, um den Film auch dahin zu bringen, wo er noch mehr ausrichten kann als in Europa.