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INTERVIEW SALLY HAWKINS

»Ich bin eine ganz schöne Kicherliese«

Nun wirbelt Sally Hawkins als lebenslustige Grundschullehrerin Poppy mit Witz und Wonne durch Mike Leighs Wohlfühlkomödie "Happy-Go-Lucky". Dafür wurde sie auf der diesjährigen Berlinale als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Dass sie im wirklichen Leben ähnlich bezaubernd wirkt wie auf der Leinwand, bewies die 32-jährige Engländerin im MOPO-Interview.



plan7: Sind Sie selbst auch so ein fröhlicher Mensch wie Poppy?



Hawkins: Nein, in dieser Rolle musste ich mich total verstellen. Das ist wahre Schauspielkunst! (lacht) Entschuldigung, das war natürlich ein Scherz. Es stimmt, dass ich eine ähnlich optimistische Lebenseinstellung habe wie Poppy - und dass ich auch so eine Kicherliese bin. Regisseur Mike Leigh hat diese Seite aus mir herausgekitzelt. Im Alltag trage ich zwar keine grell-orangefarbigen Klamotten oder Leopardenfell-Stiefel - aber ich habe es sehr genossen, einmal so herumlaufen zu dürfen!



plan7: Reißen Sie auch so gerne Witze?



Hawkins: Ja. Allerdings zünden sie in der Realität leider nicht so wie im Kino. Trotzdem kann ich es nicht lassen: Ich versuche ständig, die Leute durch irgendwelche Bemerkungen aufzumuntern. Ich nehme mich selbst nicht allzu ernst und fühle mich zu Leuten hingezogen, die das Leben mit Humor meistern. Humor ist mir sehr wichtig. Er hat mich sogar zur Schauspielerei gebracht.



plan7: Wie das?



Hawkins: Ich habe schon als Kind mit Freunden kleine Sketche improvisiert. Es hat mir jedes Mal einen Kick gegeben, wenn ich Menschen zum Lachen bringen konnte. Und als ich irgendwann erkannte, dass man damit auch sein Geld verdienen kann, dachte ich: Großartig! Das ist es!



plan7: Nun haben Sie diesen Film mit Mike Leigh in Improvisationen entwickelt. Wie muss man sich das vorstellen?



Hawkins: Monatelang habe ich mich mit Mike und den anderen Schauspielern getroffen, um die Rollen zu erarbeiten, um beispielsweise gemeinsame Erinnerungen von Poppy und ihren Schwestern oder ihren Freundinnen aufzubauen. Am Ende dieses langen Prozesses wussten wir sogar, was sich die Filmfiguren 1985 zu Weihnachten geschenkt hatten. Zu Beginn der Dreharbeiten stand die Struktur des Films und der meisten Szenen, aber es gab keine Dialoge in schriftlicher Form: Mike ist es wichtig, dass wir die Worte nicht sehen, sondern fühlen.



plan7: Er ist dafür bekannt, dass er Journalisten barsch zurechtweist, wenn sie blöde Fragen stellen. Geht er mit Schauspielern beim Improvisieren auch so um?



Hawkins: Um Himmels willen, nein! Natürlich sagt er es dir, wenn er findet, dass du Müll redest oder dich gerade in eine Sackgasse manövriert. Aber er ist dabei unglaublich einfühlsam: Man spürt, dass er auf deiner Seite ist und dir hundertprozentig vertraut. Nur so kann man sich wirklich fallen lassen und sein Innerstes entblößen. Wer weiß, vielleicht gibt es ja die eine oder andere Improvisation als Bonusmaterial auf der DVD! (lacht)

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Datum:  3.7.2008
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