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INTERVIEW SABINE ASGODOM (55), MANAGEMENT-TRAINERIN UND AUTORIN

"Hört auf, euch klein zu reden!"

Was ist der Grund, dass sich manche Menschen besser durchsetzen können als andere? "Nicht nur die Leistung zählt, sondern vor allem Selbst-PR und Beziehungen", behauptet Sabine Asgodom (55). Wie das funktioniert, zeigt die Erfolgstrainerin und Bestsellerautorin am 25. Oktober im Seminar "Durchsetzungsstrategien für Frauen". Im Interview mit der MOPO verriet sie vorab die wichtigsten Tipps.



MOPO: Sie coachen Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft und Showbizz. Was ist Ihr Eindruck - haben Frauen ein Durchsetzungstraining dringender nötig als Männer?



Sabine Asgodom: Ja. Viele Männer in Entscheidungspositionen haben häufig deutlichere Ziele und sagen dann einfach ,Ich probier´s', während Frauen oft viel ängstlicher sind. Zum anderen habe ich beobachtet, dass Männer bei Misserfolgen gern von ,wir' sprechen, bei Erfolgen dagegen von ,ich'. Bei Frauen ist es häufig genau umgekehrt. Werden sie gelobt, reden sie ihren Erfolg klein. Das ist so klassisch. Man muss ja nicht angeben, aber Frauen sollten endlich aufhören, sich klein zu reden.



MOPO: Wie kann man denn lernen, sich besser durchzusetzen?



Asgodom: Vor allem müssen Frauen lernen, auch mal nein zu sagen. Frauen sagen immer ,Gern, kein Problem', wenn sie Zusatzaufgaben erledigen sollen. So erwecken sie schnell den Eindruck, nicht ausgelastet zu sein. Auch die Qualität der Arbeit leidet, wenn man sich immer mehr aufhalst. Stattdessen sollten sie Deals machen - nach dem Motto: Ja, mache ich gern, wenn ich dann die Ablage nicht mehr bearbeiten muss. Wir bekommen keinen Respekt von anderen, wenn wir nicht auch mal nein sagen. Menschen mit Ecken und Kanten haben in der Geschäftswelt einfach eine höhere Akzeptanz.



MOPO: Wie haben Sie denn selbst gelernt, selbstsicher aufzutreten?



Asgodom: Ich war Journalistin, bekam auch immer wunderbare Resonanz auf meine Artikel. Und irgendwann habe ich mich gewundert, warum ich nicht weiterkomme. Warum werde ich nicht gefragt, ob ich stellvertretende Chefredakteurin werden möchte? Ich dachte, die anderen müssten doch sehen, was ich leiste. Aber das sieht keiner. Ich habe gelernt: Man muss anmelden, was man will, sich zeigen, in Konferenzen auf sich aufmerksam machen. Leistung ist die Basis des Erfolgs, aber noch wichtiger ist esm davon zu reden. Diejenigen, die weiterkommen, sind die, die oft beim Chef sitzen. Und: Frauen arbeiten oft zu verbissen vor sich hin - und verstehen nicht, dass das Beisammensein nach Dienstschluss wichtiger sein kann als nur eine gute Arbeit zu machen.



MOPO: Was möchten Sie mit dem Seminar erreichen?



Asgodom: Ich möchte weder Zicken noch männermordende Monster heranbilden. Ich möchte Selbstbewusstsein stärken, nicht Egomanie. Vor allem möchte ich aber, dass Frauen endlich sagen, was sie wollen und denken. Sie sagen oft ja, auch wenn sie nein meinen - und maulen dann den ganzen Tag herum. Mein Appell: Seid nicht neidisch auf die, die es geschafft haben, sondern nehmt sie als Ziel eurer Bewunderung und als Ansporn.

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Datum:  18.8.2008
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