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INTERVIEW RUNE DENSTAD LANGLO

»Depressionen zu haben, kann sehr lustig sein«

Rune Denstad Langlo, 1972 in Trondheim geboren, arbeitet seit 1998 als Dokumentarfilmer und Produzent. Für "Nord", seinen ersten Spielfilm, wurde er mehrfach ausgezeichnet, darunter beim TriBeCa-Festival in New York. Mit der MOPO sprach der Newcomer über Roadmovies, Depressionen und Dreharbeiten bei minus 30 Grad.



Plan7: Ihr Film läuft unter dem Motto "anti-depressives Off-Road-Movie". Sehen Sie "Nord" auch so?



Rune Denstad Langlo: Ich war es nicht, der den Film so nannte. Es waren clevere Werbefritzen, die auf diesen Spruch gekommen sind. Für mich ist es eher eine melancholische, absurde, humorvolle Geschichte. Wir hatten Schwierigkeiten, den Film zu "verkaufen", als er in Norwegen herauskam. Die Marketing-Leute führten große Diskussionen darüber, wie man ihn bezeichnen soll. Die Produzenten haben es nicht so gern, wenn ich von Depressionen und Melancholie spreche.



Plan7: Dabei spielen Depressionen eine wichtige Rolle, besonders bei der Hauptfigur Jomar. Wie kamen Sie auf die Idee für den Film?



Langlo: Nachdem ich selber unter starken Depressionen gelitten hatte. Es war, als ich Ski fuhr - in der Nähe der Piste, die man im Film sieht. Ich bin in der Gegend aufgewachsen. Und plötzlich kam mir die ganze Geschichte in den Kopf, etwas, was fast nie im Leben passiert. Ich schrieb die Synopsis und die ganze Story im Zug auf dem Weg zurück nach Oslo. Zu der Zeit hatte ich es satt, Dokumentarfilme zu machen, die keiner anschaute. Ich wollte eigentlich einen kommerziellen Spielfilm machen - eine Komödie um Snowboarder. Aber dann hat der Autor Erlend Loe die Geschichte gelesen und meinte, es wäre eine großartige Idee. Aus den Snowboards wurden Skier.



Plan7: Jomars Reise in den hohen Norden scheint eine Art Suche zu sein. Wonach sucht er?



Langlo: In den meisten Road-Movies sind die Figuren auf der Suche nach Freiheit. Hier ist es umgekehrt: Jomar bewegt sich in Richtung Verantwortung. In der Geschichte geht es natürlich um die Reise und um das, was er über sich selbst erfährt. Aber wir wollten es nicht so klar und deutlich machen: Man weiß nicht, ob er wieder anfangen wird, zu trinken und Pillen zu nehmen. Wenn man Depressionen hat, macht es mehr Spaß, mit anderen zusammen dagegen anzukämpfen als allein - das erfährt Jomar unterwegs. Depressionen zu haben, kann nämlich sehr lustig sein, meine ich.



Plan7: Wie war es, den Film bei der eisigen Kälte zu drehen?



Langlo: Es gibt gute Gründe, warum das Zentrum der Filmindustrie in Los Angeles beheimatet ist! Im Februar in Nordnorwegen ändert sich das Wetter alle paar Sekunden. Es war teilweise minus 30 Grad. Wir haben den Film chronologisch gedreht. Für mich war es großartig, wenn wir morgens aufwachten und ein Schneesturm draußen tobte. Wir wollten dieses schlechte Wetter - wir wollten nicht die Postkartenversion von Norwegen zeigen.



Plan7: Würden Sie denn noch einmal einen Film unter solchen Bedingungen machen?



Langlo: Ich arbeite wieder mit Erlend Loe an einem Film, der in dieser Gegend spielen soll. Diesmal geht es um zornige Menschen, aber wieder mit Humor. Ich brauche eine einfache Geschichte, keine komplizierte Handlung. Für mich geht es immer um die Figuren.

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Datum:  7.1.2010
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