Für seinen Sci-Fi-Streifen "Independence Day" bekam er den Oscar für Spezialeffekte. Und in "The Day After Tomorrow" thematisierte er den Klimawandel für das Kino früher als jeder andere. Nach diesen Ausflügen in die Zukunft begibt sich Roland Emmerich (52) mit "10000 BC" nun in die Steinzeit. Die MOPO sprach mit dem in Stuttgart geborenen Regisseur über Reisen im Kopf und digitale Tricks.
Plan7: Für "10 000 BC" haben Sie sich eine Urzeitwelt ausgedacht, wie es sie in Wirklichkeit nie gegeben hat. Sie müssen viel Fantasie haben.
Emmerich: Ich habe eine sehr starke Einbildungskraft. Manchmal kommen mir Ideen, die sich regelrecht festsetzen. So ist auch dieser Film entstanden. Es war wie eine Reise in meinem Kopf.
Plan7: Womit begann diese Reise?
Emmerich: Der Ursprung für die Idee war eine Dokumentation über Mammut-Jäger in Amerika. Irgendwann habe ich ein Buch gelesen, das behauptet, die Pyramiden wären nicht von den Ägyptern gebaut worden, sondern von einer untergegangenen Zivilisation. Allmählich ist daraus die Geschichte für den Film entstanden. Eigentlich wollte ich das schon vor fünf Jahren machen, aber damals war die digitale Technik einfach noch nicht weit genug entwickelt.
Plan7: Zu Beginn lassen Sie Ihren Erzähler Omar Sharif sagen, die Wahrheiten gingen verloren, die Legenden blieben bestehen.
Emmerich: Daran glaube ich tatsächlich. Im Film kann man eine Realität schaffen, die nicht der Wirklichkeit entspricht, die aber trotzdem echt wirkt. Beim "Herrn der Ringe" glaubt man einfach, dass Mittelerde existiert. Entsprechend habe ich mir gesagt, ich mach mir meine eigene Welt. Dabei benutzte ich Elemente der Steinzeit, aber auch aus Ägypten und anderen Kulturen.
Plan7: Wie groß ist denn die Konkurrenz unter den digitalen Trickschmieden?
Emmerich: Natürlich gibt es so etwas wie eine Berufsehre. Wer macht was zuerst? In dieser fotorealistischen Form hat man Haare bislang noch nie gesehen - da werden sich die anderen jetzt sicher anstrengen, ähnliche gute Ergebnisse zu erzielen.
Plan7: Wie viel Ahnung haben Sie selbst von Technik?
Emmerich: Ich bin technisch nicht so besonders begabt. Schon in der Schule war ich in Mathe und Physik relativ schlecht. Bei meiner zweiten Technikprüfung an der Filmhochschule war ich sogar der Einzige, der durchgefallen ist. Ich lasse mir Dinge einfallen und rede danach über die Ideen mit meinen Effekt-Leuten.
Plan7: Bei Ihrem nächsten Projekt gehen Sie wieder in die Zukunft. Worum geht es in "2012"?
Emmerich: Es geht um den drohenden Weltuntergang, der in jenem Jahr stattfinden soll. Ob bei Nostradamus oder im Maya-Kalender, alles endet mit diesem Datum. Das ist ein packendes Kinothema - obwohl ich doch eigentlich keine Katastrophenfilme mehr machen wollte ... (lacht)