Im zarten Alter von fünf Jahren bestieg Reinhold Messner zum ersten Mal einen Berg. Heute kann der Südtiroler Extrembergsteiger (65) auf zahlreiche Weltrekorde verweisen, bezwang als erster Mensch alle 14 Achttausender des Himalaya-Massivs und durchquerte die Antarktis zu Fuß.
plan7: Wie dreht man einen "Bergfilm", der sogar Reinhold Messner gefällt?
Reinhold Messner: Ich mag ja die Bezeichnung "Bergfilm" eigentlich überhaupt nicht. Denn dieses Genre wurde in zwei Phasen völlig diskreditiert. Einmal in den 30er Jahren, weil man da diese ganzen Heldengeschichten erzählt hat. Und dann wieder in den 50er Jahren. Da hat man sich für diese Heldenstreifen geschämt, und dieselben Regisseure haben dann diese kitschigen Heimatfilme gedreht. Was in letzter Zeit kam? "Nordwand" war in Ordnung, bis auf das Ende. Und dann gab es so amerikanisches Zeug, in dem nichts zusammenpasste.
plan7: Dieser Film ist Ihre persönliche, tragische Geschichte. Wer ist da zu Beginn des Projektes auf wen zugegangen: Sie auf Herrn Vilsmaier oder umgekehrt?
Messner: Ich habe ihn angesprochen und ihm gesagt, dass ich gerne einen Bergfilm mit ihm machen würde. Er antwortete: "Wenn wir einen Film machen, dann nur über dieses Thema."
plan7: Wie haben Sie es denn nun erlebt, diese schreckliche Geschichte noch einmal im Kino zu sehen?
Messner: Erstens habe ich über das Ganze ja bereits in mehreren Büchern geschrieben. Und zweitens habe ich schon tausend Mal darüber auf der Bühne gesprochen. Das ist viel schwieriger, als einen Film darüber zu machen, denn ein Film ensteht in langen Arbeitstagen, in Monaten der gemeinsamen Arbeit.
plan7: Aber es muss doch Momente während der Dreharbeiten gegeben haben, die für Sie nicht einfach waren.
Messner: Ich habe ja bestimmte Szenen am Nanga Parbat gedreht, bei denen der Vilsmaier gar nicht dabei war, weil er nicht mitgeflogen ist auf diese Höhe. Wir hatten am Ende noch die Gelegenheit, am Nanga Parbat einige Szenen mit Doubles zu drehen. Die Schlüsselszenen am Berg sind alle an Originalschauplätzen aufgenommen worden. Zum Teil haben wir die Bergsteiger aber auch digital ins Bild gestellt, weil es unverantwortlich gewesen wäre, jemanden dorthin zu fliegen. Und es gibt einige Szenen, die genau das zeigen, was genau an dieser Stelle damals passiert ist. Das geht mir natürlich nah.
plan7: Warum wird Ihre Version der Geschichte immer wieder angezweifelt?
Messner: Das ist ganz klar eine Rufmordkampagne, mit der sich gutes Geld verdienen lässt, weil ich heute bekannt bin. Natürlich lesen die Leute lieber die Version der Geschichte, in der ich demontiert werde, als meine Version. Und ich habe mir vorgenommen, irgendwann einmal genau aufzuschlüsseln, wie so eine Kampagne entsteht. Das Problem liegt gar nicht so sehr bei den Menschen, die solche Gerüchte kolportieren, sondern in den Chefredaktionen der Zeitungen, die solche Geschichten drucken.
plan7: Was hat Sie trotz dieses schrecklichen Erlebnisses angetrieben, immer wieder Ihr Leben aufs Spiel zu setzen?
Messner: Darauf habe ich eine ganz einfache Antwort: Das kann ich leider nicht erklären. Wir gehen dorthin, wo wir umkommen könnten, oder sogar müssten, um nicht umzukommen. Das ist so widersinnig und schizophren, dass es niemand versteht.