plan7: Warum haben Sie sich nach Werken wie "Die Bourne Verschwörung" ausgerechnet für dieses Projekt entschieden?
Greengrass: Ich sage jungen Regisseuren immer: Macht die Filme, die ihr selbst sehen wollt. Im Laufe der Jahre habe ich einige Filme gedreht, in denen es um politische Gewalt geht. Und der 11. September 2001 hat unsere Welt extrem verändert - damit müssen wir uns auseinander setzen.
plan7: Warum haben Sie sich dabei auf die Ereignisse des United-Airlines-Fluges 93 beschränkt?
Greengrass: Ich fand das unglaublich interessant. Zunächst wurde viel über die Absturzursache spekuliert. Inzwischen kennt man zwar jede Menge Details, weiß aber nicht wirklich, was an Bord passiert ist. Diese Puzzleteile muss man zusammensetzen und die fehlenden ergänzen. Es gibt die Aufzeichnungen des Voice-Recorders im Cockpit und Berichte über die Telefongespräche der Passagiere. Aber die letzte Phase vor dem Absturz ist schwer zu rekonstruieren. Klar scheint, dass es zwischen den Terroristen und den Passagieren zu handgreiflichen Auseinandersetzungen gekommen ist.
plan7: Wo enden also die Fakten und wo beginnt die Fiktion?
Greengrass: Was wir mit Sicherheit sagen können, ist, was sich am Boden und im Bereich der Flugsicherheit abgespielt hat. Und wir wissen, dass noch das Frühstück an Bord serviert wurde. Dann kommt die halbe Stunde, in der Entführer die Maschine gekapert haben. Laut 9/11-Kommission haben sie gleichzeitig das Cockpit und die Kontrolle über den Passagierraum übernommen. Den Rest versuchten wir auf Erfahrungswerten basierend zu ergänzen. Wir überlegten zum Beispiel, wer der Stärkste unter den Passagieren war. In gewalttätigen Krisensituationen werden im Zweifelsfall instinktiv immer die jungen, starken Männer die Führung übernehmen. Aber sie können nicht allein handeln ...
plan7: Einige Kritiker werfen Ihnen vor, die Ereignisse seien noch zu präsent. Kommt der Film nicht zu früh?
Greengrass: Ich finde, es ist dann der richtige Zeitpunkt, wenn die Familien der Opfer ihr Einverständnis geben. Von den Hinterbliebenen hat mir keiner gesagt, der Film komme zu früh - im Gegenteil.
plan7: Warum war die Mitarbeit der Angehörigen so wichtig?
Greengrass: Die Reaktionen sind oft ganz anders, als man erwartet. Unter den mehr als 100 Angehörigen und Freunden der Passagiere und Crew-Mitglieder, mit denen wir gesprochen haben, gibt es nur wenige, die Rache fordern oder verbittert sind. Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, die sonst nichts gemeinsam haben, sind durch diesen Gewaltakt verbunden und begeben sich auf die Suche nach Antworten.
plan7: Warum wählten Sie den spröden Stil eines Dokudramas?
Greengrass: Natürlich ist es letztlich immer ein fiktiver Film, aber ich mag es, wenn er so realistisch wie möglich wirkt und man den Eindruck hat: Ja, so könnte es wirklich gewesen sein.