plan7: Was kennzeichnet die neue Single-Generation, die Sie als Autor und Regisseur in Ihrem ersten Kinofilm "Shoppen" porträtieren?
Westhoff: Zunächst mal die Weigerung, erwachsen zu werden. Es wird einem ja auch leicht gemacht als Großstadt-Single: Jahrelang kann man sich wunderbar in den Cafés rumtreiben. Warum sollte man sich trennen von dieser schönen, unbeschwerten Zeit? Doch da lauert die Lebensfalle: Single sein bis 30 macht Spaß - aber ab 30 ist es oft die Hölle! Plötzlich gibt es viel weniger Partys, und die meisten davon sind von Pärchen bevölkert. Irgendwann bringt man auch nicht mehr die Energie auf, nächtelang um die Häuser zu ziehen, bis man vielleicht jemanden kennen lernt. Nach dem fünften Abend in irgendwelchen Bars, wo man vergeblich auf interessante Begegnungen hoffte, sitzt man müde zu Hause und denkt: Es sollte doch einen effizienteren Weg geben!
plan7: Speed-Dating zum Beispiel?
Westhoff: Genau. Man muss nicht mehr mühsam losrennen, um Leute kennen zu lernen und sich eventuell zu verlieben, sondern man hat konkrete Vorstellungen von einem potenziellen Partner und bezahlt einfach dafür, sich in kurzer Zeit möglichst viele Angebote präsentieren zu lassen: Wie beim Einkaufen in einer Modeboutique studiert man die Ware, blättert sozusagen durch die Kleiderbügel und schaut, ob die gewünschten Partner-Eigenschaften in ausreichendem Maße vorhanden sind. Wir haben zwar verlernt, uns zu verlieben, aber shoppen können wir noch. Der Versuch liegt also nahe, die Defizite mit bewährten Methoden auszugleichen. Es stellt sich nur die Frage: Kann das der richtige Weg sein, um die Liebe zu finden?
plan7: Haben Sie selbst mal ein Speed-Dating mitgemacht?
Westhoff: Ja. Aber erst, nachdem ich mein Drehbuch schon geschrieben hatte. In Wirklichkeit trafen sich da 20 Männer und 20 Frauen. Das war eine emotionale Achterbahnfahrt: Immer wieder wurde man mit einem neuen Gesprächspartner konfrontiert, ein neues Thema wurde angeschnitten - und kaum hatte man sein Gegenüber erfasst, wurde man durch die Fünf-Minuten-Klingel gnadenlos rausgerissen. Es kam mir vor, als würde das Leben an mir vorbeigezappt. Ich habe mich bemüht, dieses schräge Gefühl auch im Film umzusetzen. Allerdings war das Speed-Dating für mich nur ein Rahmen: Die Figuren reden über viele Dinge, die mir wichtig sind - von Ernährungsgrundsätzen bis zum Klimawandel.
plan7: Mögen Sie alle Ihre Filmfiguren?
Westhoff: Ja, ich finde alle 18 in gewisser Weise liebenswert. Ich wollte Stereotypen vermeiden und habe versucht, vielschichtige Charaktere zu gestalten - mit charmanten und weniger charmanten Eigenschaften. Keinen von ihnen möchte ich bloßstellen: Man soll über sie lachen, aber man soll sie mögen. Und vor allem hoffe ich, dass man als Zuschauer in der einen oder anderen Figur etwas von sich selbst entdeckt - und dass man so auch ein wenig über sich selbst lachen kann!