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INTERVIEW QUENTIN TARANTINO

»In Gefühlsdingen bin ich noch etwas unreif«

Mit Filmen wie "Pulp Fiction" und "Kill Bill" machte er weltweit Furore. Im MOPO-Interview überrascht Starregisseur Quentin Tarantino mit einem maschinengewehrartigen Wortschwall: Mehr Silben pro Minute bringt selbst Dieter Thomas Heck nicht unter. Die beinahe kindliche Begeisterung des 46-Jährigen wirkt ansteckend.



plan7: Wie kamen Sie darauf, eine Nazi-Groteske zu drehen?



Quentin Tarantino: Ich war schon immer fasziniert von den Anti-Nazi-Filmen, die während des Krieges in Hollywood gedreht wurden - von europäischen Regisseuren, die vor den Nazis nach Amerika geflüchtet waren. Diese Regisseure lebten in ständiger Sorge um ihre Familien in ihrer Heimat - und trotzdem waren ihre Filme unglaublich unterhaltsam: Sie erzählten spannende Abenteuergeschichten mit umwerfendem Humor. Und ich dachte mir: Wenn die damals so etwas hingekriegt haben, dann kann ich das heute auch wagen.



plan7: Wie war die Zusammenarbeit mit Brad Pitt?



Tarantino: Traumhaft. Brad hat mich regelrecht umgehauen. Er ist auf dem Gipfel seiner Schaffenskraft und nicht mehr bloß ein hübscher Junge, sondern ein richtiger Mann. Beim Schreiben des Drehbuchs dachte ich: "Verdammt, wenn ich Brad nicht bekomme, bin ich aufgeschmissen!" Tatsächlich gelang es mir nach einer durchzechten Nacht, ihn von meinem Film zu überzeugen - ich glaube, da waren ungefähr fünf Flaschen Wein im Spiel.



plan7: Sie haben den Film vorwiegend in Berlin und Umgebung gedreht und mit vielen deutschen Darstellern besetzt. Haben Sie dabei auch ein bisschen Deutsch gelernt?



Tarantino: Ja, zum Beispiel: "Das ist verdammter Mist!" Ein sehr nützlicher Satz für einen Regisseur! Ich bin stolz darauf, dass ich es geschafft habe, rund 40 Minuten Dialog auf Deutsch zu inszenieren, obwohl ich die Sprache überhaupt nicht beherrsche.



plan7: Die Schauspieler haben erzählt, Sie seien am letzten Drehtag mitten in der letzten Aufnahme abgehauen. Stimmt das?



Tarantino: Ja. Ich bin sehr schlecht im Verabschieden, denn ich hasse es, Adieu zu sagen. Ich ertrage den Gedanken nicht, wochenlang ein Team durch eine abenteuerliche Reise zu führen und schließlich vor allen in Tränen auszubrechen. Ich würde mich zwar nicht als emotionalen Krüppel bezeichnen, bin aber wohl in Gefühlsdingen noch etwas unreif. Vielleicht reagiere ich eines Tages etwas abgebrühter. Doch ich werde wohl immer ein sehr emotionaler Mensch bleiben.



plan7: Heulen Sie auch im Kino?



Tarantino: O ja, wie ein Schlosshund. Es ist ziemlich leicht, mich mit Filmen zum Weinen zu bringen.



plan7: Sind Sie in Liebesdingen ähnlich emotional?



Tarantino: Ja. Wenn ich verliebt bin, dann werde ich auch sehr leidenschaftlich. Ich kann mich für Frauen ebenso begeistern wie für Filme. Und wie jeder andere Mensch erlebe ich meine größten Glücksmomente nicht im Kino, sondern in der Liebe.



plan7: Sie gelten als Kinofreak, der rund um die Uhr Filme sieht. Haben Sie überhaupt noch Zeit für etwas anderes?



Tarantino: Ja. Glauben Sie mir, mein Horizont ist nicht beschränkt. Aber ich bin nun einmal Künstler, und meine Kunstform ist das Kino. Oft sagen Leute zu mir: "Du widmest dich völlig dieser einen Sache - wann lebst du eigentlich?" Und ich antworte ihnen: Das ist mein Leben! Ja, Freunde, das Kino kann durchaus auch eine Daseinsform sein! Für mich ist es jedenfalls ein wunderbares Leben.

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Datum:  20.8.2009
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