Sein Name war Bond, James Bond. Nach vier Abenteuern als Geheimagent 007 kommt Pierce Brosnan (56) nun nach einem Ausflug ins leichte Fach ("Mamma Mia!") als britischer Premierminister in "Ghostwriter" ins Kino. Sein höchst undurchsichtiger Politiker hat starke Ähnlichkeiten mit Tony Blair.
plan7: Wie weit stand Tony Blair Pate für diese Rolle?
Pierce Brosnan: Meine erste Frage an Polanski war natürlich: "Spiele ich Tony Blair?". Und er sagte ganz leise: "Nein". Natürlich sprechen viele Indizien dafür, dass es sich um Blair handelt, allein schon deswegen, weil Autor Robert Harris eine ganz besondere Beziehung zu diesem Premier hat. Auch wenn Polanski keinen Blair von mir wollte, habe ich ihn als Vorbereitung für die Rolle genau studiert - um mich danach natürlich ganz an die Vorlage von Polanski zu halten.
plan7: Haben Sie Tony Blair je getroffen?
Brosnan: Ich traf Blair einmal in einem Hotel bei einem gemeinsamen Fototermin. Er ist so groß wie ich, und er war charmant. Zu seiner Karriere kann ich mir kein Urteil erlauben, denn zur Politik habe ich ein sehr distanziertes Verhältnis - in diesem Fall auch geografisch, weil ich seit einigen Jahren in Amerika lebe und die dortige Staatsbürgerschaft angenommen habe.
plan7: Wie sind Sie überhaupt zu der Rolle gekommen?
Brosnan: Als ich in London gerade Werbung für "Mamma Mia!" gemacht habe, erzählte mir mein Agent von diesem Projekt von Roman Polanski. Die Aussicht, einmal mit ihm zu arbeiten, hat mich sofort begeistert, zumal mir der spannende Roman von Robert Harris sehr gut gefiel. Was will ein Schauspieler mehr als einen Film, der aufregend und provozierend gleichermaßen ist?
plan7: Wie sieht die Arbeit mit Polanski als Regisseur aus?
Brosnan: Er verlangt viel, er denkt schnell und seine Leidenschaft für das Projekt ist sehr groß. Roman kann sehr direkt sein mit seinen Kommentaren, als Schauspieler musst du schon ziemlich stark sein, nicht nur in deinen Leistungen, sondern auch in deinem Selbstbewusstsein. In einigen Szenen lässt er dir völlige Freiheit, in anderen gibt er genau vor, was er haben möchte. Diese intensive Arbeit mit ihm empfand ich als überaus anregend.
plan7: Welche Auswirkungen hatte die Verhaftung von Polanski auf das Projekt?
Brosnan: Dass es zu derart dramatischen Ereignissen kommen würde, hat niemand geahnt. Auf gewisse Weise reflektieren die Filme von Polanski sein eigenes Leben und seine Gefühle: Hier der Regisseur im Exil, der immer auf der Flucht war. Und im Film der Politiker, gegen den die Justiz ermittelt - und dieser Regisseur dreht zum ersten Mal einen politischen Thriller.
plan7: Haben Sie mit Polanski über die Verhaftung und seine Stimmung einmal gesprochen?
Brosnan: Nein, über die Verhaftung haben wir nie geredet, das ist nicht meine Angelegenheit. Wir Schauspieler haben uns vor der Berlinale alle in Paris in Polanskis Haus getroffen, dort hat es uns telefonisch alles Gute für die Weltpremiere gewünscht. Seinen großartigen Sinn für Humor und Ironie hat er auch bei diesem Telefonat nie verloren.
plan7: Welches Verhältnis haben Sie heute zu James Bond?
Brosnan: Ich bin für die Rolle von Bond sehr dankbar - ohne 007 würde ich heute kaum hier sitzen. Bond war ein schönes Kapitel in meinem Leben. Ich wusste ja schon vorher, dass es nicht leicht sein würde, nach solch einer Rolle andere gute Angebote zu bekommen. Aber es ist mir, glaube ich, ganz gut gelungen.