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INTERVIEW PETER KÜHNL, LEITER DER BLUTBANK AM UKE

Sollten Schwule Blut spenden?

Schwule dürfen wie Junkies oder Prostituierte kein Blut spenden - ein Bundesgesetz verbietet es. Und das, obwohl Blutspenden extrem knapp sind (MOPO berichtete). Die MOPO sprach über diese Diskriminierung mit Peter Kühnl, Leiter der Blutbank am Uni-Krankenhaus Eppendorf.



MOPO: Sollten Schwule Blut spenden dürfen?



Kühnl: Das ist ein heikles Thema. Bisher hat sich auf Bundesebene keine Mehrheit gefunden, dass Verbot aufzuheben. Solange das Sexualleben überschaubar ist, wäre Gleichstellung mit Heterosexuellen der richtige Schritt.



Mopo: Warum?



Kühnl: Vor zehn Jahren gab es einen Quantensprung in der Blut-Diagnostik. Die Sicherheit ist seitdem sehr hoch.



MOPO: Warum wird das Verbot nicht aufgehoben?



Name: Die gesellschaftliche Akzeptanz reicht noch nicht aus. In vielen Köpfen, ob bei Patienten, Politikern oder in den Gesundheitsbehörden, herrschen noch die alten Vorurteile. Die Angst vor HIV-Infizierungen ist bei allen Beteiligten groß.



MOPO: Wann gabs zuletzt eine Übertragung durch Spenden?



Kühnl: Vor sieben Jahren. Damals war die Blutkonserve einer jungen Frau infiziert. Eine 70-Jährige steckte sich an.



MOPO: Wie kann das passieren?



Kühnl: In den ersten drei Wochen nach einer Infektion sind die HI-Viren kaum nachweisbar. Und im abgezapften Blut vermehren sich die Viren nicht. Bei heterosexuellen Spendern gibt es deshalb eine Quarantäneregel. Wer ungeschützten Verkehr mit einer Person hatte, bei der eine Infektion nicht ausgeschlossen ist, spendet vier Monate nicht. Diese Regel könnte man auch für Schwule einführen.



MOPO: Gibt es absolute Sicherheit?



Name: Nein. Da eine Konserve sechs Wochen hält, könnte man den Spender nach drei Wochen, wenn Viren sicher nachweisbar sind, erneut untersuchen. Das ist aber nicht praktikabel.



MOPO: Welchen Vorteil hätte es, das Verbot aufzuheben?



Kühnl: Schwer einzuschätzen. Aber auf jeden Fall hätten wir weniger Engpässe.

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Datum:  4.8.2006
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