Am 1. Januar wäre Heino Jaeger 70 Jahre alt geworden. Heino wer? Der gebürtige Hamburger inspirierte mit seinen Texten, Radio-Sketchen und Zeichnungen viele andere Künstler. Am Montag gratulieren im St. Pauli-Theater unter anderen Rocko Schamoni, Harry Rowohlt, Frank Schulz - und der "Dittsche"-Darsteller und Fernsehstar Olli Dittrich. Die MOPO traf ihn zum Gespräch.
MOPO: Kaum jemand hat je von Heino Jaeger gehört - warum sollte man ihn kennen?
Olli Dittrich: Weil er ein ganz großer Könner war, ein wahrer Meister. Sowohl seine Zeichnungen und Gemälde als auch seine unzähligen Tonaufnahmen, in denen er in jede denkbare Figur, in jedes denkbare Sujet einzusteigen vermochte, sind übersehene Dokumente deutscher Kulturgeschichte. Er ist der Einzige, der aus der vermeintlichen Normalität das Auffällige, das Absurde derart kunstvoll komisch herauslesen und darstellen konnte. In gewisser Weise ist seine Kunst einerseits zeitlos, andererseits war Jaeger seiner Zeit um Jahrzehnte voraus.
MOPO: Und wie hat er Sie inspiriert?
Dittrich: Lange bevor ich zum Fernsehen kam oder daran dachte, in Figuren schlüpfen zu können, haben Heino Jaegers Szenen und Stegreifmonologe bei mir einen ganz besonderen Nerv getroffen. Nichts und niemand war wie er, bis heute unerreicht. Er ist mein großes komödiantisches Vorbild.
MOPO: Haben Sie ihn eigentlich je persönlich kennen gelernt?
Dittrich: Nein, leider nicht.
MOPO: Sie sind einerseits sehr präsent - insbesondere im Fernsehen - andererseits entziehen Sie sich dem öffentlichen Promileben. Warum?
Dittrich: Ach, mir ist das irgendwie völlig fremd. Immer dieses laute Promi-Getrommele. Am Ende ist man nur dafür bekannt, dass man bekannt ist. Ich fühle mich eher unsicher auf diesem Parkett.
MOPO: Gerade bei "Blind Date" und mit Abstrichen auch bei "Dittsche", zeigt sich, dass Komisches und Tragisches einander bedingen. Ist der beste Clown ein trauriger?
Dittrich: Na ja, ein bisschen sehr abgegriffen und über die Maßen pathetisch ist dieses Klischee vom "traurigen Clown" schon. Dass jede tiefere Komik auf der Basis des Scheiterns funktioniert, aus dem Ernst, dem Drama kommt, ist ja nichts Neues. Von Charlie Chaplin und Buster Keaton bis zu Karl Valentin oder Loriot gibt es genügend Lehrbeispiele. Heino Jaeger im Besonderen.
MOPO: Fühlen Sie sich selbst als Avantgardist in der deutschen Fernsehlandschaft?
Dittrich: Eine solche Selbstbetrachtung ist mir nicht zu eigen. Ich mache meine Sachen und verfolge meine Ideen. Möglichst authentisch und mit großem Einsatz, großer Begeisterung. Manchmal ist schon etwas dabei herausgekommen, das es zuvor so noch nicht gab. Dann freue ich mich sehr. Aber oft genug arbeitet und entwickelt man direkt für den Papierkorb. Wurscht. Weiter geht's.
MOPO: Sie haben bei Deutschlands größter Show "Wetten dass..?" mitgewirkt, sind mit vielen Preisen überschüttet worden, waren beim Grand Prix dabei: Was haben Sie noch vor?
Dittrich: Das entscheidende Tor für den HSV im Champions-League-Finale zu schießen.