Sein Vater Klaus Kinski war einer der markantesten Schauspieler Deutschlands, von dem zwangsläufig immer wieder die Rede ist, wenn eigentlich Nikolai Kinski im Mittelpunkt steht. Kein Problem für den 33-Jährigen, der das nicht als Bürde empfindet. "Ich habe mein eigenes Publikum", sagt er im MOPO-Interview.
plan7: Das ist Ihre erste große Kinorolle. Spüren Sie auch große Genugtuung?
Nikolai Kinski: Genugtuung ist etwas für Musketiere. Zufriedenheit ist die richtige Beschreibung dessen, was ich empfinde, wenn ich über Michael Drehers Regie nachdenke.
plan7: Micjael Dreher hat gesagt, er hätte "alles dafür getan, dass sich der Zuschauer in seinem Film verirrt". Wie ist es Ihnen gegangen, als Sie "Daniel Shore" das erste Mal gesehen haben?
Kinski: Ich war richtig begeistert und bin es noch. Das ist definitiv einer der Filme, für die ich den Beruf ergriffen habe. Aber verirrt habe ich mich natürlich nicht, den Erbauern eines Irrgartens sollte so etwas nicht passieren.
plan7: Stimmt es, dass Sie an "Taxi Driver" dachten, als Sie das Drehbuch lasen? Wenn ja, warum?
Kinski: Das stimmt. Daniel kann, wie Travis, nach einer Grenzerfahrung nicht mehr normal leben, entwickelt Vorstellungen, die ihn besessen machen und schließlich ausbrechen lassen. Beide sind sehr naiv und wollen Gutes tun oder besser gesagt: Böses verhindern. Obwohl die beiden Filme sonst relativ wenig miteinander zu tun haben, war mir durch dieses Vorbild klar, dass es meine Aufgabe ist, den Zuschauer während des ganzen Films über Daniels Motive rätseln zu lassen. Ist er Opfer oder Täter? Wahnsinnig oder einfach nur sehr aufmerksam? Und wie weit ist er bereit dafür zu gehen?
plan7: Haben Sie das Gefühl, dass Sie mit 33 Jahren mittlerweile von Publikum und Kritikern als eigenständiger Schauspieler wahrgenommen werden, ohne dass man Sie ständig mit ihrem Vater vergleicht?
Kinski: Ich habe mein eigenes Publikum. Das sieht natürlich nicht meinen Vater, sondern den, der da ist und gerade etwas vorführt. Also mich. Den unsinnigen Vergleich suchen doch nur Journalisten und die ganz schweren Jungs, die sich meinen Vater auf den Bizeps tätowiert und sich seit seinem Tod nicht mehr die Zähne geputzt haben. Mit den Kritikern haben Sie allerdings recht, die sind gerade merkwürdig freundlich zu mir.
plan7: Ist Ihr Nachname hierzulande eher Hürde oder Sprungbrett?
Kinski: Das kommt ganz darauf an, was man möchte. Wenn man als Sohn berühmt werden will, ist es ein Sprungbrett, wenn man für eigene Leistungen Anerkennung sucht, eine Hürde.