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INTERVIEW MOJIB LATIF (55)

"Früher waren solche Winter normal"

Bibber-Temperaturen, Dauerfrost: In den vergangenen Wochen überschlugen sich die Meldungen zum Wetter. Die MOPO sprach mit dem berühmten Klimaforscher Mojib Latif von der Uni Kiel über den strengen Winter.



MOPO: Wieso war das Wetter zuletzt so oft anders als vorhergesagt?



Latif: Die Schwierigkeit ist, dass die Wettergrenze zurzeit direkt über Deutschland verläuft. Im Westen herrschen eher milde Temperaturen, im Osten ist es richtig kalt. Nur geringfügige Verschiebungen, haben einen riesigen Effekt. Dort, wo nichts sein sollte, fällt plötzlich Schnee.



MOPO: Eine besondere Situation?



Latif: Das ist nicht außergewöhnlich. Wir haben einen Zweikampf zwischen dem Island-Tief und dem Russland-Hoch. Die beiden messen ihre Kräfte. Gewinnt das Russland-Hoch, ist es in ganz Deutschland kalt. Gewinnt das Island-Tief, haben wir dieses milde Wetter. Die beiden halten sich im Moment die Waage.



MOPO: Welche Rolle spielt die Elbe für das Hamburger Wetter?



Latif: Grundsätzlich spielt sie eine Rolle. Die Elbe fließt durch ein Tal. Schon kleinste topografische Veränderungen haben Einfluss auf das Wetter. Die Situation im Moment aber hat damit nichts zu tun.



MOPO: Ist diese lange Frostperiode etwas Besonderes?



Latif: Das ist nicht ungewöhnlich. Früher waren solche Winter ganz normal. Ich bin 55 Jahre alt und habe so etwas früher oft erlebt. 1996 war es zum letzten Mal so kalt. Durch die Klimaerwärmung aber ist man das nicht mehr gewohnt.



MOPO: Es gibt Leute, die behaupten, dass es durch die Klimaerwärmung nicht nur wärmere Sommer, sondern auch kältere Winter gibt.



Latif: Das ist Quatsch. Es gibt kein Modell, das darauf schließen lässt.



MOPO: Sie haben den Golfstrom als Grund für den kalten Winter genannt.



Latif: Es handelt sich dabei aber um eine Prognose für die nächsten zehn Jahre. Das ist immer unter Vorbehalt. Es deutet aber einiges darauf hin, dass sich der Golfstrom abschwächt und es dadurch bei uns bis Mitte des Jahrzehnts so kalte Winter gibt.



MOPO: Die Temperaturen im Januar lagen 3,5 Grad unter dem Schnitt.



Latif: Das ist viel. Aber die globale Erwärmung ist noch nicht so stark, dass sie einen solchen Winter unmöglich macht.



MOPO: Für welchen Zeitraum kann man seriöse Wetterprognosen treffen?



Latif: Für eine Woche sind Vorhersagen brauchbar. Was dann kommt, sind theoretische Möglichkeiten. Wir werden niemals das Wetter für 14 Tage vorhersagen können. Das ist bei chaotischen Systemen unmöglich.



MOPO: Ist ein Ende der aktuellen Kältephase absehbar?



Latif: Es bleibt erst einmal kalt. Eine längerfristige Vorhersage aber ist Kaffeesatzleserei.

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Datum:  30.1.2010
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