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INTERVIEW MIT TOBI SCHLEGL

»Je tiefer man buddelt, desto schmutziger wird's«

Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr - zumal in Zeiten von Öko-Kollaps und Finanzkrise. Dachte sich wohl auch Tobi Schlegl (31). Angespornt durch sich anbahnende Vaterpflichten, fühlt der "Extra 3"-Moderator und MOPO-Kolumnist der deutschen Gesellschaft in der zweiteiligen Dokumentation "Schlegl sucht die Wahrheit" auf den Zahn (1. Teil: heute, 21.45 Uhr, NDR) - und trifft dabei auf renitente Bio-Bauern, hartnäckige Lobbyisten und wehrhafte Bürger.



MOPO: Herr Schlegl, inwieweit hat Sie die Geburt Ihres Kindes motiviert?



Tobi Schlegl: Wir saßen schon an der Planung, als meine Biografie sich einschaltete und mir einen tollen Aufhänger für unser Projekt gab. Ich war ja auch schon vorher in Sachen Nachhaltigkeit aktiv, aber wenn du die Nachricht erhältst, dass da ein Mensch auf die Welt kommt, guckst du dir deinen Alltag noch genauer an. Ich hätte nicht gedacht, dass das so intensiv ist. Aber deshalb ist es auch so authentisch geworden.



MOPO: Was wollten Sie mit der Dokumentation erreichen?



Schlegl: Eine kleine Deutschland-Analyse kurz vor der Wahl. Ich habe mir Themen rausgegriffen, die ich wichtig finde: Ernährung, Bildung, im zweiten Teil geht's in den Bundestag und auf den G8-Gipfel. Es ist quasi ein Bogenschlag vom Alltäglichen zum großen Ganzen.



MOPO: Sie gehen diese Themen von einem sehr persönlichen Standpunkt aus an ...



Schlegl: Dass das so subjektiv aufgezogen wird, ist der Versuch, dieses sperrige Thema Nachhaltigkeit zu vermitteln. Nur wenn man das auf sich selbst bezieht und auch mal die Hosen runterlässt, erzielt man eine gewisse Glaubwürdigkeit - und weckt nebenbei auch die Neugier des Zuschauers.



MOPO: Haben Sie am Ende Wahrheiten gefunden?



Schlegl: Viele Details kannte ich bereits durch meine Tätigkeiten im Rat (s. Kasten "Zur Person"). Aber ich habe auch Sachen herausgefunden, die ich so nicht wusste. Etwa, dass mein Bio-Frühstücksei eventuell gar nicht "bio" ist. Ein Skandal! Und als ich in der Lausitz vorm Braunkohletagebau stand, da sind mir wirklich die Mundwinkel entglitten - das war die Apokalypse!



MOPO: Ihr Fazit?



Schlegl: Die Wahrheit ist unbequem. Gib dich nicht mit einfachen Antworten zufrieden. Und: Du darfst erst mal keinem trauen, sei es dem Frühstücksei-Produzenten oder dem Politiker. Das ist natürlich traurig - und je tiefer man buddelt, desto schmutziger wird es!

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Datum:  15.9.2009
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