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INTERVIEW MIT JUDITH HOLOFERNES

"Wir Musiker können viel bewegen"

Am 5. Februar treffen sich Deutschlands Indie-Klassensprecher im Docks: Tomte und Wir Sind Helden geben ein Benefizkonzert zugunsten zweier in Nigeria verschleppter Filmemacher (siehe Info-Kasten). MOPOP sprach mit Wir-sind-Helden-Sängerin Judith Holofernes über die Hinter- und Beweggründe.



MOPO: Mit eurem Konzert wollt ihr nicht nur die Filmemacher Florian Opitz und Andy Lehmann unterstützen, sondern auch auf die wirtschaftlichen Missstände in Nigeria aufmerksam machen.



Judith Holofernes: Nigeria ist der sechstgrößte Erdölexporteur der Welt. Aber die Mehrheit der Bevölkerung lebt in Armut, nur wenige private Ölmogule profitieren von den Ressourcen. Außerdem gilt es, die Gefahren für die Pressefreiheit aufzuzeigen.



MOPO: Wo liegen die Wurzeln für deine Kapitalismuskritik?



Holofernes: Ich habe mich schon früh in der Berliner Antifa engagiert. Danach begann ich, Wirtschafts- und Gesellschaftskommunikation zu studieren - primär, um meinen Eltern zu gefallen. Mir war gar nicht bewusst, dass es dabei bloß um völlig ethikfreie Werbung ging. Das hat noch mehr Zunder für meine Wut gegen kapitalistische Mechanismen geliefert. Ich habe mein Studium also schnell abgebrochen. Jedoch nicht, ohne am Ende eine Arbeit über Werbekritik abzuliefern - sozusagen als großes Finale!



MOPO: Gibt es in Deutschland zu wenig "Helden", die politische Verhältnisse aktiv verändern wollen?



Holofernes: Viele junge Menschen wollen sich engagieren, aber in Deutschland wird es ihnen oft schwer gemacht. Man hegt hier schnell den Verdacht, Künstler würden sich nur auf Grund des Imagegewinns für wohltätige Zwecke einsetzen. Der Impuls, wirklich helfen zu wollen, wird einem nicht abgenommen.



MOPO: Welche Perspektive hat Politik heute in der Popmusik?



Holofernes: Unsere Texte spiegeln alle Aspekte unseres täglichen Lebens wider, also auch Politik. Musiker können eine ganze Menge bewegen - zumindest aber den Soundtrack zu Protestbewegungen liefern.



MOPO: Eure Plattenfirma EMI hat Massenentlassungen angekündigt. Habt ihr schon mal über alternative Vertriebswege nachge-dacht?



Holofernes : Auf jeden Fall! Wie Radiohead ein Album im Internet veröffentlichen, das fände ich schon gut. Allerdings bin ich auch ein bisschen konservativ, freue mich immer über bunte Booklets. Wir wollen uns als Band mehr um unsere Musik kümmern, das ganze Business ein wenig ausblenden. Die gesamte Musikindustrie ist ja hochgradig depressiv ...



MOPO: Wie kam es zu der Konzertkonstellation mit Tomte?



Holofernes: Sänger Thees Uhlmann und ich sind gute Freunde. Wir wohnen beide in Kreuzberg, haben beide Babys. Manchmal gehen wir zusammen spazieren und amüsieren uns köstlich, denn eigentlich sind Tomte die Antithese zu uns. Das sind ja Rocker im klassischen Sinn, dem Exzess nicht abgeneigt. Während ich nicht mal Alkohol trinke und als Buddhistin auch oft meditiere. Die Filmemacher Opitz und Lehmann kennen wir persönlich, schätzen sie als Menschen und als kritische Köpfe.

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Datum:  30.1.2008
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