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INTERVIEW MIT JOCHEN DISTELMEYER

»Hass Ein Gefühl, das ich nicht kultiviere«

Zwei Jahre ist es her, dass sich Hamburgs Indie-Institution Blumfeld auflöste - und ein schwarzes Loch in die deutsche Musiklandschaft riss. Alben wie "Old Nobody" und "Testament der Angst" prägten Genres und Stile, Frontmann Jochen Distelmeyer wurde geradezu messianisch gehuldigt. Nun ist das gute Gewissen des Deutschrock zurück: "Heavy" heißt das Solo-Debüt des 42-Jährigen, das den alten Blumfeld-Geist beschwört - und doch den "Schritt in etwas Neues" darstellen soll. MOPOP sprach mit dem Sänger über Verantwortung, Hass und Langeweile.



MOPO: Herr Distelmeyer, was war in den letzten Jahren so "heavy"?



Jochen Distelmeyer: Das Leben selbst mit all seinen schönen Seiten und Widrigkeiten. Den Begriff fand ich deswegen so toll, weil er etwas Schweres meint, aber leichter klingt, schon fast was Himmlisches hat - eine gute Klammer für die unterschiedlichen Songs der neuen Platte.



MOPO: Trend-Thema "Krise": Fühlen Sie sich bestätigt in Ihrem bisherigen Blumfeld-Schaffen?



Distelmeyer: Als Songwriter vielleicht. Weil diese ganzen Sachen, die wirtschaftlich über die Leute hereingebrochen sind, schon Jahre vorher absehbar waren. Und ob in Stücken wie "In der Wirklichkeit" oder "Dikatatur der Angepassten" - die Auseinandersetzung mit solchen Lebensrealitäten hat sich ja immer durch die Platten gezogen.



MOPO: Verspüren Sie manchmal den Drang, Ihre Fans an die Hand nehmen zu müssen?



Distelmeyer: Na ja, ich schreibe die Songs ja erst mal für mich und kann nur von dem singen, was mich bewegt. Klar finde ich das dann gut, wenn sich die Leute darin wiederfinden können.



MOPO: Kultivieren Sie den "Hass", von dem Sie singen? Distelmeyer: Nein. Das ist kein Muskel, den ich trainiere. Diese Spannung, die man zum Musikmachen braucht, ergibt sich für mich aus der Musikalität selbst. Das reduziere ich nicht auf ein Gefühl, noch dazu auf ein Gefühl, das ich nicht für sonderlich kultivierenswert halte. Das aber da ist!



MOPO: Ihr Rezept gegen die große Langeweile?



Distelmeyer: Habe ich nicht. Ich kenn' das nicht so, gelangweilt sein. Dafür ist das Leben zu aufregend, jeder Tag ist neu. Einfach machen und lachen!



MOPO: Das Solo-Debüt - setzt Sie das unter Druck oder empfinden Sie das als Befreiung?



Distelmeyer: Beides nicht. Mein Selbstverständnis als Künstler und Mensch hat sich durch die Trennung von Blumfeld verändert. Ich stehe da jetzt als jemand anderes. Meine Entwicklung mit der Band ist auf eine richtige und sehr schöne Weise zu einem Endpunkt gekommen. Jetzt ist das der Schritt in etwas Neues - und da möchte ich auch andere mitnehmen.



- Album: "Heavy" (Sony)



- Konzert: 30.8., 21 Uhr, 22 Euro, Kampnagel



- Die MOPO verlost 3 x 2 Karten. Mailen Sie bis 14 Uhr an mopop@ mopo.de, Stichwort: "Heavy".

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Datum:  28.8.2009
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