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INTERVIEW MIT ERNST HAPPEL JUNIOR

"Der HSV spielt wie unter meinem Vater"

Der HSV im Ernst-Happel-Stadion - da werden die Erinnerungen an den größten Trainer der Vereinsgeschichte wach: Rapid Wien war der Stammverein von Ernst Happel, der im Alter von 66 Jahren am 14. November 1992 an Krebs starb. Unter "Ernstl" wurden die Hamburger 1983 Europapokalsieger der Landesmeister, 1982 und 1983 Deutscher Meister, 1987 DFB-Pokalsieger. Die MOPO sprach mit Ernst Happel junior (56), der sein Geld in der Alarmanlagenbranche verdient und seinem Vater so ähnlich sieht, dass er noch heute mit ihm verwechselt wird.



MOPO: Der Verein, bei dem ihr Papa groß wurde, spielt gegen den HSV, der unter ihm seine größten Erfolge feierte - was sagen Sie dazu?



Happel: Das wird eine spannende Sache! Ich glaube, die Chancen stehen in diesem Spiel 50:50.



MOPO: Aber der HSV ist doch Tabellenführer der Bundesliga.



Happel: Er spielt ohne Frage schönen Fußball. Ich sehe, wenn's geht, alle Spiele. Aber auch Rapid ist sehr stark, hat auf dem Weg zur Europa League Aston Villa eliminiert und sollte nicht unterschätzt werden.



MOPO: Was gefällt Ihnen denn am HSV 2009? Und welche Spieler?



Happel: Da würde ich keinen hervorheben. Ich denke, das ist ähnlich wie unter meinem Vater: Die Mannschaft spielt attraktiv, ist eine kompakte Einheit, in der Einzelne dann auch glänzen können. Die Mischung stimmt. Mit elf Maradonas geht es nicht. Ich fürchte nur, dass der Abgang von Olic und die Verletzung von Guerrero auf Dauer schwer zu verkraften sind.



MOPO: Sie sind doch sicherlich live vor Ort.



Happel: Nein, ich bin nicht im Stadion, sehe mir das Spiel im Fernsehen an.



MOPO: Wie bitte? Haben Sie Streit mit Rapid?



Happel: Nein, trotzdem muss ich nicht dabei sein. Ich habe mein halbes Leben in Stadien verbracht.



MOPO: Ihr Vater ist immer noch Kult in Hamburg ...



Happel: Das freut mich. Aber man muss da auch den Manager erwähnen: Eine Achse wie Happel/Netzer wird's nie wieder geben. Es war eine tolle Zeit. Ich habe viele Spiele im Stadion gesehen - natürlich auch 1983 das Finale von Athen.



MOPO: Gibt's noch Kontakte nach Hamburg?



Happel: Nein. Ich habe Günter Netzer mal bei einer Gala des ÖFB getroffen, habe vor einiger Zeit auch Dietmar Beiersdorfer und Hermann Rieger gesehen. Aber die sind ja alle nicht mehr beim HSV.



MOPO: Wird Ihr Vater außer als Namensgeber des Wiener Stadions noch gewürdigt?



Happel: Ja, in den Einkaufsarkaden an der Maria-Hilfer-Straße gibt's eine Tafel im Boden. Und in Rotterdam gibt's hundert Meter vom Stadion die Ernst-Happel-Straße, vor dem VIP-Eingang zudem eine Bronzebüste.



MOPO: Sie hatten vor Jahren einmal über eine Ausstellung zu Ehren Ihres Vaters nachgedacht.



Happel: Das ist schließlich an fehlenden Sponsoren gescheitert. Da geht es auch um Versicherungen, um sehr viel Geld.



MOPO: Sie haben Tausende von Erinnerungsstücken - wie wär's mit einem Happel-Museum?



Happel (lacht): Das könnte ich in der Tat gut füllen.



MOPO: Pilgern immer noch viele Fans zur Grabstelle auf dem Wiener Friedhof?



Happel: Ja, das reißt nicht ab. Letztens hat wieder jemand eine HSV-Fahne reingesteckt.



MOPO: Wie oft werden Sie noch für Ihren Vater gehalten?



Happel: In Wien wird's weniger, aber in Rotterdam und Brügge passiert's immer wieder. In Brügge hörte ich kürzlich wieder Leute tuscheln: "Das gibt's doch gar nicht, der ist doch schon lange tot ..."

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Datum:  16.9.2009
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