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INTERVIEW MIT DIETMAR BEIERSDORFER, TEIL II

»Ein Verrückter ist immer mal dabei«

Wenn er danebengreift, wird's teuer. Deshalb werden alle Aspekte mehrfach überprüft, bevor Dietmar Beiersdorfer einen Millionen-Transfer unter Dach und Fach bringt. Lorik Cana (Olympique Marseille), Eljero Elia (Twente Enschede), Kostas Katsouranis (Benfica Lissabon) - bevor der Sportchef zuschlägt, muss alles passen.



MOPO: Wie sicher müssen Sie sich sein, bevor Sie einen Spieler verpflichten?



Beiersdorfer: Wichtig ist, dass man ihn selbst gesehen hat. Bei manchen ist es ausreichend, sie fünf Mal zu beobachten, andere schaut man 20 Mal an.



MOPO: Wie wichtig sind Erkenntnisse darüber, wie die Spieler so ticken?



Beiersdorfer: Wir hören uns natürlich so intensiv wie möglich um - aber wir beschäftigen keine Stalker.



MOPO: Haben Sie schon oft Leute verpflichtet, die Sie für klar im Kopf gehalten haben und die sich dann als Verrückte entpuppten?



Beiersdorfer: Ab und zu ist halt mal ein Verrückter dazwischen (lacht). Aber das muss ja auch nicht immer schlecht sein.



MOPO: Wird in den Vereinsgremien von Ihnen erwartet, dass Sie früher einkaufen als in den Vorjahren?



Beiersdorfer: Wir haben in diesem Jahr erstmals ein Budget vom Aufsichtsrat zur Verfügung gestellt bekommen. In den Jahren zuvor war es fast immer so, dass wir nicht wussten, in welchen Wettbewerben wir spielen und wie viel Geld zur Verfügung steht. Wir haben Spieler teilweise spät im August verkauft und erst dadurch Geld freigesetzt. Wir sind leider bisher nicht in der Situation gewesen, dass wir diese Spieler schon im Mai oder Juni abgreifen können.



MOPO: Also könnten Sie jetzt sofort losschlagen.



Beiersdorfer: Wir könnten theoretisch drei Viertel unserer Wunschspieler verpflichten. Das letzte Viertel ergibt sich dann oft aus den Transferbewegungen auf dem Markt. Und da versucht man natürlich, das Optimale herauszuholen. Man muss versuchen, einzuschätzen, was sich da noch bewegt. Aber dabei muss es sich dann schon um A-Ware handeln. Denn diese Spieler hat man schließlich mehrere Jahre.



MOPO: Der Dreijahresvertrag für Bruno Labbadia ist ein Bekenntnis zur Kontinuität. Wie groß ist Ihr Risiko, wenn der Trainer scheitert?



Beiersdorfer: Unsere letzten beiden Trainer waren ziemlich erfolgreich und haben uns aus unterschiedlichen Gründen verlassen. Wir haben uns für Bruno Labbadia entschieden, weil er ein sehr guter Trainer ist und wir denken, dass er unseren Klub lange begleiten kann.



MOPO: Was macht Sie da eigentlich so sicher. Unter dem Strich hat Leverkusen schließlich keine erfolgreiche Saison gespielt.



Beiersdorfer: Wir hatten ihn ja letztes Jahr schon eingehend beobachtet, bestimmt 14 Tage beim Training begleitet, seine Spiele analysiert und mit ihm gesprochen. Zudem hat er Stallgeruch, ist Fußballer - ein sehr erfolgreicher noch dazu. Der Trainerjob ist für ihn eine Art Erfüllung, in der er voll und ganz aufgeht. Er verrichtet seine Arbeit sehr leidenschaftlich und gradlinig. Ich denke, das sind ganz gute Grundvoraussetzungen, um gemeinsam Erfolg zu haben.



MOPO: Labbadia hat gleich zu Beginn Ihre bedächtige Art gelobt. Wie ist Martin Jol damit zurechtgekommen?



Beiersdorfer: Jol hat immer zu mir gesagt: "Du bist ein Idealist." Aber ich versuche, die beste Entscheidung für den Verein zu treffen.



MOPO: Hätte es mit Jol und Ihnen weiter funktioniert?



Beiersdorfer: Das hatte mit mir nichts zu tun. Ich glaube, er wollte einfach eine Perspektive aufgezeigt bekommen. Jol wollte schon im Februar oder März einen langfristigen Vertrag angeboten bekommen. Ich habe ihm vor dem Stuttgart-Spiel gesagt, dass die Bremen-Wochen kommen und wir da keine Vertragsgespräche führen wollen. Der Plan des Vereins war, sich unmittelbar nach Saisonende zusammenzusetzen.



MOPO: Es heißt, er wollte einige Ihrer Aufgabengebiete mit übernehmen.



Beiersdorfer: Martin Jol hatte nie die Intention, meinen Job zu übernehmen. Das hat er mir persönlich bestätigt. Er ist ein sehr guter Coach, und wir sind Auge in Auge, mit einem klaren Handschlag auseinandergegangen. Selbstverständlich haben wir auch immer wieder Diskussionspunkte gehabt - aber das gehört ja dazu.

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Datum:  17.6.2009
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