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Interview mit dem Hochbahn-Chef

Herr Elste, wozu brauchen wir die Stadtbahn?

Ringen um die Stadtbahn, Bau des U4-Tunnels und eine mehrmonatige Debatte über die Sicherheit in Hamburgs Bussen und U-Bahnen -heiße Zeiten für die Hochbahn. Im MOPO-Interview spricht Vorstandschef Günter Elste über die Großprojekte, Ticketpreise und den Kampf gegen immer mehr Gewalt.



MOPO: Geht es Ihnen auf die Nerven, immer der Politik gehorchen zu müssen?



Elste: Manchmal muss man etwas mit der Stadt ringen, aber es hält sich in Grenzen. Ich fühle mich nicht gegängelt.



MOPO: Früher waren Sie noch gegen den Bau der Stadtbahn.



Elste: Ich habe immer eine sehr sachliche Meinung dazu gehabt. So ein Verkehrsmittel nur als Vorzeigeprojekt zu planen ist unsinnig. Für die Stadtbahn braucht man ein bestimmtes Verkehrsaufkommen.



MOPO: Und das hat Hamburg jetzt?



Elste: Wir befördern mittlerweile 400 Millionen Fahrgäste pro Jahr. Die Zahlen steigen seit Jahren, bis 2020 könnten es fast 500 Millionen sein. Das bekommt Dimensionen, die das Bussystem auf bestimmten Linien nicht mehr packt. Deshalb ist der Bau der Stadtbahn für Hamburg alternativlos.



MOPO: Der Großteil der Hamburger ist laut Umfragen trotzdem klar dagegen.



Elste: Im Moment melden sich diejenigen zu Wort, die sich gestört fühlen. Es gibt noch einen hohen Informationsbedarf. Doch nicht nur in Steils-hoop und Bramfeld unterstützen viele Menschen das Projekt.



MOPO: Der gewaltige Preis lässt Sie völlig kalt?



Elste: Nein. Der hängt natürlich davon ab, ob ich die Deluxe- oder die Holzklasse will. Wenn es ordentlich werden soll, bewegt sich der Preis bei rund 20 Millionen Euro pro Kilometer. Die Kosten für den Betriebshof werden von der Hochbahn getragen.



MOPO: Wie schnell wird das Stadtbahnnetz gebaut?



Elste: Das erste Stück soll bis 2014 zügig gebaut werden. Danach muss die Schlagzahl verdoppelt werden. Es wäre nötig, nicht nur alle zwei Jahre sieben Kilometer in Betrieb zu nehmen, sondern 14.



MOPO: Was ist mit der U4? Es bei der jetzt gebauten Vier-Minuten-Strecke zu belassen ist kaum sinnvoll ...



Elste: Das ist auch unsere Haltung. Wenn die östliche HafenCity weiter ausgebaut wird, droht ohne bessere Anbindung ein Verkehrschaos. Es wird darauf ankommen, was genau die Politik mit dem Kleinen Grasbrook und Wilhelmsburg plant. Ich erwarte mir hier im nächsten halben Jahr Antworten.



MOPO: Was stellen Sie sich denn so vor?



Elste: Mir ist wichtig, dass man nötige Infrastrukturmaßnahmen nicht auf die lange Bank schiebt. Es wäre gut, wenn wir mit der U4 bis 2020 den Elbsprung bis Wilhelmsburg machen.



MOPO: Explodieren die Ticketpreise, wenn die Stadtbahn und die U4 immer weiter ausgebaut werden?



Elste: Nein. Darüber entscheidet letztlich die Politik. Klar ist aber, dass steigende Kosten auch an die Fahrgäste weitergegeben werden müssen, um den öffentlichen Nahverkehr langfristig solide finanzieren zu können.



MOPO: Zum Thema Sicherheit: Sie haben die Zahl der Wachleute erhöht. Was wird noch getan?



Elste: Wir werden am 20. September unsere Kampagne vorstellen. Ziel soll es sein, die Hemmschwelle zu senken, frühzeitig Hilfe anzufordern.



MOPO: In Berlin gibt es zurzeit häufig gewaltsame Übergriffe auf Busfahrer. Droht das auch in Hamburg?



Elste: Die Situation ist eine andere als in Berlin. Aber der Ton ist auch in Hamburg rauer geworden. Wir schulen Busfahrer, um Konflikte zu entschärfen und die Ruhe zu bewahren.

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Datum:  9.9.2010
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