In der Tragikomödie "Wie im Himmel" war er ein ausgebrannter Komponist, der das Leben einiger Dörfler gründlich verändert - und spielte sich in die Herzen eines Millionenpublikums. Jetzt verkörpert der sympathische Schwede Michael Nyqvist den Journalisten Blomkvist in den Verfilmungen der "Millennium-Trilogie".
plan7: "Verblendung" war 2008 der meistverkaufte Roman in Europa. Wie erklären Sie sich diesen enormen Erfolg?
Michael Nyqvist: Stieg Larsson hat viele Leser aufgerüttelt, indem er konsequent auch auf die Schattenseiten der Gesellschaft einging. Wir Schweden denken, wir seien die Besten - aber das stimmt nicht. Im Film geht es um Machtmissbrauch, um brutale Vergewaltigungen durch vorgeblich ehrbare Mitglieder der Gesellschaft. Dies in Schweden zu schreiben, kommt einem ernsthaften Angriff auf die brüchige Fassade des Sozialsystems gleich.
plan7: Blomkvist steht für investigativen Journalismus und eben nicht wie viele andere Ermittler für staatliche Gewalt ...
Nyqvist: Ja, genau. Larsson hasste festgefahrene Machtstrukturen. Er verfolgte die Mission, die schwedische Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg neu aufzurollen. In "Verblendung" geht es auch um die Echos des Dritten Reiches, etwa in Form einer Unternehmerfamilie, in der die Nazi-Ideologie fortlebt. Als Journalist wühlt Blomkvist historischen Staub auf. Das ist in Schweden bislang viel weniger als in Deutschland geschehen und längst überfällig.
plan7: Die Übersetzung des schwedischen Buchtitels lautet "Männer, die Frauen hassen". Der deutsche Verlag hatte aber leider nicht den Mut, diesen Titel zu übernehmen. Wie stehen Sie dazu?
Nyqvist: Ich mag den Originaltitel. Er bringt etwas auf den Punkt, das nicht unter den Tisch gekehrt werden darf. Auch wenn die Verleger skeptisch waren, weil ihnen der Titel zu sehr nach Schmuddelliteratur klang, setzte Larsson sich durch. Es gibt in Schweden ein nationales Trauma um einen Prostitutionsskandal in höchsten Regierungskreisen, an dem auch 14-jährige Mädchen beteiligt waren. Es ist unvorstellbar, wie dieser Fall damals tabuisiert wurde. Larsson hat diese Thematik mit seinem Roman an die Oberfläche gezerrt.