Sage und schreibe 13 Mal war sie für den Oscar nominiert, öfter als jeder andere Schauspieler. Zwei Mal hat sie ihn tatsächlich gewonnen - für "Kramer gegen Kramer" und "Sophies Entscheidung". Und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn Meryl Streep (57) für ihre Verkörperung der diabolischen Modemagazin-Chefin in "Der Teufel trägt Prada" nicht ihre 14. Oscar-Nominierung bekäme. Beim Filmfestival in Deauville sprach die MOPO mit der Leinwand-Ikone.
plan7: Interessieren Sie sich für Mode?
Streep: Während des Schauspielstudiums habe ich meine Abschlussarbeit über Kostümdesign geschrieben. Es interessiert mich, wie die Kleidung eines Menschen dessen Charakter widerspiegelt. Und ich bin eine Nervensäge für die Kostümbildner, weil ich für jede meiner Rollen ganz konkrete eigene Vorstellungen mitbringe. Von Modetrends aber verstehe ich nichts. Ich habe mich auch bei manchen Preisverleihungen schon furchtbar blamiert. Doch das war mir schon immer völlig schnurz.
plan7: Sehen Sie Parallelen zwischen der Mode- und der Filmbranche?
Streep: Ich beobachte, dass Schauspielerinnen mehr und mehr als bloße Kleiderständer dienen: Der Druck auf junge Kolleginnen wächst, bei Events ganz bestimmte Marken zu tragen und zu verkaufen. Als ich noch jung und hübsch war, gab es so etwas nicht - wir haben einfach irgendetwas angezogen, was wir okay fanden. Inzwischen ist die Oscar-Verleihung zu einer Modenschau verkommen, bei der es gar nicht mehr um die Filme geht.
plan7: Ihre Rolle im Film basiert auf Anna Wintour, Chefredakteurin der amerikanischen "Vogue" ...
Streep: Ich weiß. Aber ich habe überhaupt nichts über sie recherchiert: Ich wollte sie nicht porträtieren, denn das hätte mich zu sehr eingeschränkt. Stattdessen habe ich die Figur komplett selbst erfunden - basierend auf Chefs, die ich persönlich erlebt habe. Schauspieler sind ja eigentlich völlig machtlos, es sei denn, sie produzieren selbst oder sie heißen Tom Cruise. Man bringt uns zwar einen Kaffee, wenn wir danach verlangen, aber das wars auch schon. Ich habe gelernt, mir meine eigenen Freiheiten zu schaffen: Ich höre mir ruhig an, was der Regisseur sagt - doch wenn die Kamera läuft, mache ich einfach, was ich will. Ich bin sozusagen mein eigener Boss!
plan7: Haben Sie Verständnis für Miranda, Ihre Filmfigur?
Streep: Ich selbst liebe es auch, hart zu arbeiten, und ich schätze es gar nicht, wenn andere nur Dienst nach Vorschrift machen. Insoweit verstehe ich die hohen Ansprüche, die Miranda an sich selbst und an ihre Mitarbeiter stellt. Auch ihre Einsamkeit konnte ich nachvollziehen. Denn beim Drehen schlüpfe ich stets ganz und gar hinein in meine Rolle - und das hieß in diesem Fall: Wenn die anderen sich amüsierten, durfte ich nicht mitlachen. Also saß ich die meiste Zeit in meinem Wohnwagen und schmollte! (lacht)