Er wirkt äußerlich gefasst. Er redet, während andere schweigend trauern. Aber wie sieht es wirklich in Martin Kind (65) aus, dem Präsidenten von Hannover 96? Die MOPO sprach mit dem Klubboss.
MOPO: Herr Kind, wie schwer fällt es Ihnen, über das Geschehene zu reden?
Martin Kind: Ich darf Ihnen sagen, dass es die schwerste Zeit meines Lebens ist.
MOPO: Sie wirken äußerlich aber kontrolliert.
Kind: Mag sein. Aber innerlich geht es auch mir wirklich nicht gut.
MOPO: Haben Sie nichts von den schweren Depressionen Enkes gewusst?
Kind: Nein.
MOPO: Enke und seine Familie haben die Krankheit aus Furcht jahrelang verschwiegen. Wie sehr hat ihn das belastet?
Kind: Robert hat jahrelang ein Doppelleben geführt. Das muss ihm unglaubliche Kraft geraubt haben.
MOPO: Wieso wird die Krankheit im Leistungssport tabuisiert?
Kind: Weil der Leistungsdruck und die Konkurrenz so hoch sind.
MOPO: Teresa Enke hat sich nur 16 Stunden nach dem Tod ihres Mannes vor die Öffentlichkeit gestellt. Wie stark muss man sein, um das zu tun?
Kind: Ihre Entscheidung, sich auf das Plenum zu setzen, war unglaublich. Sie wollte es so. Und es war richtig. Ich verneige mich vor dieser starken und wahnsinnig tollen Frau. Ich denke, sie hat wirklich etwas bewirkt mit ihrem Auftritt. Sie hat verschlossene Türen geöffnet. Sie hat ein Signal ausgesendet, sich endlich mit dem Tabuthema Depression zu beschäftigen.
MOPO: Wird der Klub Teresa helfen?
Kind: Natürlich. Aber darüber haben wir noch nicht gesprochen. Sonntag ist erst einmal der Trauergottesdienst. Davor graut es mir jetzt schon.
MOPO: Warum?
Kind: Ich muss eine Rede halten. Und ich gebe zu, dass ich Angst habe in die Augen der traurigen Menschen zu schauen.
MOPO: Es werden Zehntausende Abschied nehmen. Haben Sie die Anteilnahme in dieser Form erwartet?
Kind: Nein. Die Dimension ist atemberaubend. Hannover ist eine Stadt in Trauer. Erst jetzt spürt man, was für ein toller Mensch Robert war. Vielleicht braucht eine Gesellschaft solche Menschen. Ehrlich, authentisch, freundlich und gut.