Ihre sensationelle Verwandlung in die Chanson-Legende Edith Piaf dürfte der 31-jährigen Französin Marion Cotillard nun endgültig den Durchbruch zum internationalen Star bescheren.
plan7: Hatten Sie Angst davor, einen Mythos zu verkörpern?
Cotillard: Angst? Ich hatte richtige Panik-Attacken! Vor allem beim Gedanken an die Szenen mit der alten Edith Piaf wurde mir schwindlig - denn da war sie zwar erst Mitte 40, sah aber aus wie eine 70-Jährige. Andererseits sind solche Herausforderungen gut für meine Motivation: Ich mag Schwierigkeiten bei der Arbeit.
plan7: Sind Sie selbst auch ein schwieriger Mensch?
Cotillard: Ich? Nein, überhaupt nicht! (lacht)
plan7: Wie haben Sie sich der Piaf genähert?
Cotillard: Ich bin ganz in sie eingetaucht, habe mir alles angehört und angesehen, was ich bekommen konnte: Kinofilme, Interviews und vor allem die Super-8-Filme, die ihr Akkordeonist über den Zeitraum von 15 Jahren hinweg gedreht hatte. Und eine weitere wichtige Inspirationsquelle für mich war meine Oma.
plan7: Ihre Oma?
Cotillard: Ja. Sie bewegte sich ganz ähnlich wie Edith Piaf und war witzigerweise genauso klein - 1,47 Meter. Sie sagte immer: "Ich wäre so gern auch eine Sängerin geworden, aber die Piaf hat meinen Platz ja schon besetzt!" Inspiriert hat sie mich vor allem wegen ihres wüsten Temperaments - sie war ein ebenso cholerisches Energiebündel wie Edith Piaf. Besonders in den Szenen mit der alternden Piaf habe ich mich sehr stark an meiner Großmutter orientiert. Ich hoffe, sie verzeiht mir! (lacht)
plan7: Haben Sie auch Gemeinsamkeiten zwischen sich und Ihrer Filmfigur entdeckt?
Cotillard: Ja. Edith Piaf hat sehr unter ihrer Einsamkeit gelitten und stets alles getan, um nicht allein zu sein - auch wenn das bedeutete, ihre Mitmenschen zu tyrannisieren. Dazu wäre ich selbst zwar nie imstande. Aber das Gefühl der Einsamkeit kenne ich von früher nur zu gut: Meine Mitschüler fanden mich doof, weil ich nicht so lustig und albern war wie sie und mir stattdessen schon als Zwölfjährige Gedanken über den Sinn des Lebens machte. Heute bin ich über einsame Momente sehr froh, weil sie mir helfen, zu mir selbst zurückzufinden.
plan7: War es schwer, sich nach den Dreharbeiten wieder in Marion zurückzuverwandeln?
Cotillard: Es hat eine Weile gedauert. Denn ich hatte mich vier Monate lang benommen wie Edith Piaf: Ihre Stimme, ihre Körperhaltung, ihre Eigenheiten - all das musste ich mir erst langsam wieder abgewöhnen. Manchmal war es richtig peinlich. Ich sage Ihnen: Wenn Sie vier Monate lang gewatschelt sind wie eine Ente, dann müssen Sie erst ordentlich üben, bis Sie wieder normal geradeaus gehen können! (lacht)