Für ihr Debüt "Der Wald vor lauter Bäumen" bekam sie auf Robert Redfords renommiertem Sundance Filmfestival den Großen Preis der Jury. Mit ihrem zweiten Streich "Alle anderen" startete Maren Ade (32) auf der Berlinale - und kassierte gleich zwei Bären. Publikum und Presse waren gleichermaßen begeistert.
plan7: Ihre ersten beiden Filme haben auf hochkarätigen Festivals abgeräumt und wurden hoch gelobt - sehen Sie die Welt vor lauter Preisen noch?
Maren Ade: "Der Wald vor lauter Bäumen" ist ja schon sechs Jahre her, so lange hält das Gefühl, erfolgreich zu sein, nicht an (lacht). Das Schöne daran war die Bestätigung der eigenen Arbeit. Man wird selbstsicherer - und dadurch auch glücklicher.
plan7: Eigentlich ist "Alle anderen" gar nichts Besonderes - ist diese Normalität das Besondere daran?
Ade: Ich habe beim Schreiben immer gehofft, dass das Thema Liebesbeziehung nicht nur mich interessiert. Faszinierend waren für mich vor allem all die Details, die so eine Beziehung ausmachen: Dieses Geflecht aus Ansprüchen, Ritualen, Sehnsüchten, Geheimnissen und Ängsten.
plan7: Die Situationen waren so echt, dass man meinen könnte, Sie hätten das selbst schon so erlebt - oder ist alles ausgedacht?
Ade: Das ist schon alles ausgedacht! Natürlich inspirieren mich Dinge aus meinem Alltag, aber die Umsetzung passiert nie eins zu eins. Man muss die Sachen immer weiterspinnen. Einen Urlaub wie im Film habe ich so selbst noch nicht erlebt. Aber natürlich finde ich mich in diesen vier Figuren wieder - und hoffe, dass es den Zuschauern ganz ähnlich geht: dass man sich ein bisschen erkannt und ertappt fühlt.
plan7: Wie kann man solche Wiedererkennungseffekte konstruieren, ohne dass es berechnend und falsch wirkt wie in einer Seifenoper?
Ade: Natürlich möchte ich authentisch oder emotional glaubwürdig sein. Allerdings schwebt mir beim Schreiben nicht vor, beim Publikum bestimmte Reaktionen auszulösen. Es funktioniert bei mir eher anders herum: Ich beschäftige mich mit etwas, das mich selbst interessiert - und hoffe, dass es anderen Leuten später ähnlich geht. Mit Liebe hat wohl jeder seine Erfahrungen.
plan7: Bei Geschichten wie diesen lauern vielfache Klippen: Kitsch, Klischees oder übertriebene Schauspielerei ...
Ade: Der Gefahren war ich mir durchaus bewusst; bereits bei der ersten Drehbuchfassung hatte ich mir überlegt, wie man daraus einen Film machen kann, ohne dass man in diese ganzen Klischees abrutscht. Diese erste Version fand ich noch ziemlich verquatscht. Entscheidend ist, dass man sich Zeit für das ständige Überarbeiten der Dialoge nimmt.
plan7: So improvisiert die Dialoge wirken, sind sie also gar nicht?
Ade: Nein, die Regieassistentin hat eigens darauf geachtet, dass die Akteure genau dem Drehbuch folgen.
plan7: Ihre vier Akteure waren auf engem Raum mit dem Team zusammen - geht man sich da nicht gegenseitig auf die Nerven?
Ade: Es war wichtig, dass sich Schauspieler und das Team schon vor den Dreharbeiten kennengelernt haben, für solche emotionalen Szenen kann man beim Drehen nicht bei null anfangen. Deshalb zogen wir bereits ein halbes Jahr vorher gemeinsam in ein Haus, um zu proben und über das Thema zu sprechen. Auch ich musste die Schauspieler ja besser kennenlernen, um einzuschätzen, wie sie funktionieren und welches Paar sie abgeben können. So anstrengend Dreharbeiten immer sind, lief es bei uns sehr harmonisch, fast romantisch.
plan7: Ist "Alle anderen" ein Film für Frauen oder für Männer?
Ade: Es ist ein Film für Paare. Und für Leute, die gerne über die Liebe nachdenken. Liebesbeziehungen sind ja auch sehr unterhaltsam.
Das Interview führte Dieter Oßwald