Auf einer Filmhochschule war er nie, studierte stattdessen in Salzburg Kunstgeschichte. Dennoch gehört Marco Kreuzpaintner zu den fähigsten deutschen Regisseuren. Nach "Sommersturm" kam der internationale Durchbruch mit "Trade", nun bringt der 31-Jährige sein neuestes Werk ins Kino, Otfried Preußlers Kultroman "Krabat".
Plan7: Es war offenbar eine schwere Geburt ...
Marco Kreuzpaintner: Es war sauschwer. Wenn man so einen Film wie "Trade" gemacht hat und da so richtig getätschelt wurde und sich dann in der rumänischen Realität wiederfindet, dann glaubt man an den Satz "Film ist Krieg." Wir haben mitten in der Wildnis gedreht, mussten sogar eine Straße zum Set bauen, durften die aber nur mit Pferdekarren befahren. Es war eiskalt, mitten im Winter, aber der Schnee, den man uns versprochen hatte, der kam nicht, also mussten wir alles mit Papierschnitzeln künstlich beschneien, was man zum Glück im Film nicht sieht. Es war alles extrem aufwendig und beschwerlich.
Plan7: Hat Otfried Preußler den Film schon gesehen?
Kreuzpaintner: Ja, und er hat uns einen wundervollen Brief geschrieben, in dem er den Film als das schönste Geschenk zu seinem 85. Geburtstag bezeichnet. Ein größeres Lob gibt es gar nicht.
Plan7: Wie sieht es denn mit Ihrem angekündigten Abschied von Deutschland aus? Schon eingelebt in Los Angeles?
Kreuzpaintner: Überhaupt nicht. Eher im Gegenteil. Ich muss mich da auch korrigieren. Ich glaube, das habe ich damals im Überschwang, in der ersten Euphorie nach "Trade" gesagt. Auf Dauer wäre Los Angeles ein ungesundes Klima für mich.
Plan7: Betrachten Sie nach "Trade" nun "Krabat" eher als Aushängeschild für weitere Jobs in den USA?
Kreuzpaintner: Es ist bestimmt der Film, der den Studios da eher liegt. "Krabat" hat zwar erkennbar eine deutsche Handschrift, es war mir aber wichtig, den Film für den internationalen Markt zu machen.
Plan7: Hat es denn in den USA gute Angebote gegeben?
Kreuzpaintner: Gut ist so eine Frage. Große ja, aber nicht wirklich das, was mich interessiert. So etwas wie "Masters of the Universe". Für so was wollen die ja oft junge, ausländische Regisseure haben, aber das ist nichts für mich. Klar denkt man bei der Summe, die die einem für solch einen Film zahlen, darüber nach. Aber ich bin schon stolz auf mich, dass ich abgelehnt habe. Ich wollte nicht mit dem Gefühl herumlaufen, einen Film gemacht zu haben, nur damit hinterher noch mehr von diesen Figuren verkauft werden. Das Einzige, was zur Zeit ins Kino kommt, sind Comic- und Actionfilme - nicht mein Ding.
Plan7: Also bleibt es doch beim deutschen Film?
Kreuzpaintner: Im Moment ja. Ich habe ein wunderschönes Angebot für eine Romanverfilmung. Und dann will ich einen Film über Fassbinder machen; dafür muss ich noch viel recherchieren.