Mit Filmen wie "Monster's Ball", "Wenn Träume fliegen lernen" und "Drachenläufer" hat sich Marc Forster einen glänzenden Ruf als Filmästhet und Feingeist erworben. Mehrfach lehnte er lukrative Regie-Aufträge ab - darunter "Harry Potter und der Gefangene von Askaban". Nun inszenierte der 39-Jährige mit dem neuen James-Bond-Abenteuer seinen ersten Actionfilm.
plan7: Wie haben Sie reagiert, als die Bond-Produzenten Sie als Regisseur gewinnen wollten?
Marc Forster: Ich war total verblüfft und habe das Angebot erst einmal ausgeschlagen. Aber dann las ich ein Interview mit Orson Welles, in dem er gefragt wurde, was er in seinem Leben am meisten bereue. Er sagte: "Dass ich nie einen kommerziellen Film gedreht habe."
plan7: Hat man Ihnen viele Vorschriften gemacht?
Forster: Erstaunlicherweise nein. Als ich zusagte, dachte ich: Jetzt geben sie mir sicher so eine Bond-Bibel, in der steht, was alles im Film drin sein muss und was verboten ist. Stattdessen sagten die Produzenten nur: "Wir wollen nicht, dass Bond unschuldige Menschen tötet." Ansonsten ließen sie mir freie Hand. Also habe ich einfach den Film gemacht, den ich selbst gern im Kino sehen wollte.
plan7: Wie sind Sie an die Sache herangegangen?
Forster: Wie an eine Charakterstudie. Es war mir wichtig, Bond möglichst realistisch darzustellen - ich habe mich ganz auf seinen Charakter und seine Emotionen konzentriert. Und als Gegenspieler wollte ich keinen typischen Bond-Bösewicht mit Narben oder Ähnlichem, sondern einen Menschen, der auf den ersten Blick ganz normal wirkt. Denn heute lassen sich Helden und Bösewichte nicht mehr so leicht auseinanderhalten.
plan7: Manche mögen die für Bond charakteristische Erotik und Selbstironie vermissen...
Forster: Mag sein. Aber James Bond fällt in unserem Film in einen tiefen Schmerz, weil er gerade die Liebe seines Lebens verloren hat. Es wäre also völlig unpassend, wenn er jetzt selbstironische Sprüche klopfen und reihenweise Frauen flachlegen würde.
plan7: Was hat Daniel Craig, was andere Bond-Darsteller nicht haben?
Forster: Er macht aus der Figur einen echten Menschen. Er wirkt nicht dauernd supercool und toll - wenn er müde ist, dann sieht er auch so aus. Und er ist einfach ein großartiger Schauspieler.
plan7: Sind Sie jetzt auf den Geschmack gekommen, Blockbuster zu inszenieren?
Forster: Man hat mir sogar die Regie des nächsten Bond-Films angeboten. Aber ich habe Nein gesagt. Es war eine gute Erfahrung, doch ich möchte lieber wieder etwas Kleineres machen!