Die Ähnlichkeit mit Falco ist verblüffend. Doch Manuel Rubey, der mit seiner Band Mondscheiner in Österreich erfolgreich ist, steht dem von ihm verkörperten Idol deutschsprachiger Pop-Historie durchaus kritisch gegenüber. Die MOPO sprach mit dem 28-jährigen Wiener über seine Bedenken, die Rolle anzunehmen.
plan7: War es schwierig, sich in diesen komplizierten Menschen hineinzuversetzen?
Rubey: Ich bin wohl einer der wenigen Österreicher, die ihn nicht persönlich kannten (lacht). Und je weiter etwas von mir entfernt ist, desto größer ist meine Lust, mich damit auseinanderzusetzen. Außerdem habe ich mir von vorneherein gesagt, dass man mit so etwas auch mit Würde scheitern darf. Damit konnte ich das Ganze spielerisch und genussvoll angehen.
plan7: Sie haben sich ja nun sehr intensiv mit Falco beschäftigt. Wie würden Sie ihn beschreiben?
Rubey: Als "Dr. Jeckyll & Mr. Hyde". Auf der einen Seite war er ein sehr schüchterner, verzweifelter Mann auf der Suche nach bürgerlicher Geborgenheit und konventionellem Lebensstil. Auf der anderen Seite war da dieses Riesen-Ego, diese Unfähigkeit, sich auf andere einzulassen. Am Anfang seiner Karriere konnte er zwischen der Kunstfigur und seinem wahren Ich unterscheiden, gegen Ende ist ihm das Ganze mehr und mehr entglitten.
plan7: Aber kann das nicht jeden in dieser Branche treffen?
Rubey: Mir könnte das nicht passieren, dazu ist mir mein Privatleben viel zu wichtig. Aber Falco hat eben alles, was er hatte, in die Waagschale geworfen. Er hat mal gesagt: "Ich bin wie ein offenes Buch, schaut in mein Herz, ich habe nichts zu verbergen." Das stimmt. Das hat ihn so magisch gemacht, ist ihm aber auch zum Verhängnis geworden.
plan7: Glauben Sie, dass es heute möglich wäre, in einen solchen "Erfolgssog" zu geraten?
Rubey: Eher weniger. Falco war damals sehr besonders: Er hat nicht nur den deutschsprachigen Rap erfunden, sondern sich auch ständig mit den Puristen angelegt. Er hat immer wieder gesagt, dass man in absehbarer Zeit alles mit allem mischen kann - womit er recht hatte.
plan7: Sie haben ja auch den Soundtrack eingesungen. Wie schwierig war es, sich dieser Stimme anzunehmen?
Rubey: Ich stand diesem Soundtrack sehr kritisch gegenüber. Ich halte es auch weiterhin nicht für sinnvoll, zwei Stimmen gegeneinander antreten zu lassen. Nicht, dass sie mich missverstehen: Für den Film finde ich die Entscheidung des Regisseurs absolut richtig und konsequent. Für den Soundtrack hätte ich es persönlich aber spannender gefunden, es mit Interpretationen zu versuchen.
plan7: Nach den Dreharbeiten haben Sie sich erst einmal den Kopf rasiert um, wie man behauptet, Falco loszuwerden.
Rubey: Das habe ich nur im Scherz gesagt. Ich könnte mir sicherlich ein gutes Zubrot verdienen, wenn ich auf irgendwelchen Firmenfesten den Kasper machen würde, aber das ist doch eine Frage der Integrität. Es ist eh schon schwierig, nach solch einer Rolle nicht ständig als "Falco 2" gesehen zu werden.