Leonardo DiCaprio beweist in "Inception" einmal mehr, dass er sich zu einem der bedeutendsten Darsteller der Traumfabrik entwickelt hat. Die MOPO sprach mit dem 35-Jährigen über sein glückliches Händchen für Rollen, den Weg an die Spitze und wieso er sich für Veränderungen in unserer Gesellschaft einsetzt.
plan7: Mr. DiCaprio, schon wieder treffen Sie mit Ihrer Rollenwahl mitten ins Schwarze. Wie machen Sie das?
Leonardo DiCaprio: Indem ich bei meiner Wahl sehr bedächtig vorgehe. Wenn in Hollywood ein gutes Drehbuch kursiert, stürzen sich automatisch alle darauf und wollen sich einmischen. Man muss da einen kühlen Kopf bewahren und immer auf dem Laufenden sein.
plan7: Was gibt bei Ihnen den Ausschlag für eine Zusage?
DiCaprio: Es hat meistens ganz stark mit dem Regisseur zu tun. Sie sind ja diejenigen, die einen Film in eine markante Form gießen. Wenn der Regisseur nicht gut ist, kann auch aus dem besten Drehbuch noch ein schlechter Film werden. Deshalb arbeite ich am liebsten mit Visionären, die sich auch gut in die Wünsche der Zuschauer hineinversetzen können.
plan7: Wie stark dominiert Ihr Beruf als Schauspieler Ihr Privatleben?
DiCaprio: Na, ich kann nicht gerade behaupten, dass mich das Medium Film wenig beschäftigt. Die Wahrheit ist, dass ich Schauspieler werden wollte, seit ich denken kann. Es war immer mein Traum - und jetzt ist die Zeit gekommen, in der ich endlich aus dem Vollen schöpfen darf. Ich kenne viele Kollegen, die es über Jahre versucht und trotzdem nie geschafft haben. Deshalb wäre es vermutlich Wahnsinn, die Chancen nicht zu ergreifen, die sich mir bieten. Ich will nicht in dreißig Jahren zurückblicken und bereuen, dieses und jenes nicht gemacht zu haben.
plan7: "Inception" wurde teilweise mit neuesten CGI-Techniken produziert. Wie sehr interessiert Sie der technische Fortschritt?
DiCaprio: Die Technik ist für mich nicht ausschlaggebend. Wenn die Story nicht stimmt, ist mir auch die Machart egal.
plan7: Für 2010 haben Sie sich angeblich vorgenommen, es etwas ruhiger angehen zu lassen ...
DiCaprio: Ich habe mit "Shutter Island" und "Inception" gerade zwei riesige Filme abgedreht. Also entspanne ich etwas. Ich habe aber nicht vor, es zu einem ausgedehnten Urlaub ausarten zu lassen.
plan7: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
DiCaprio: Ich bin viel zu Hause. Außerdem nutze ich diese Zeit gerne, um mich verstärkt auf meine Umweltaktivitäten zu konzentrieren.
plan7: Sie haben sich zu einem Umweltaktivisten entwickelt. Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Elan auch Wirkung zeigt?
DiCaprio: Politisches Engagement bringt zwangsläufig eine gewisse Desillusionierung mit sich. Die großen Denker dieser Welt, die Wissenschaftler und Nobelpreisträger, haben alle auf die Problematik der globalen Erwärmung hingewiesen und sind bei den Verantwortlichen auf erstaunlich wenig Unterstützung gestoßen. Die Regierungen unternehmen einfach nicht genug, um den Weg zu stoppen, den unsere Gesellschaft einschlägt. Wir müssen anfangen, ökologisches Denken in unseren Alltag zu integrieren, sonst sprechen wir noch in zehn Jahren von den Veränderungen, die unsere Welt dringend braucht.
plan7: Könnten Sie sich vorstellen, die Schauspielerei ganz an den Nagel zu hängen und sich nur noch dem Umweltschutz zu widmen?
DiCaprio: Schwer zu sagen. Ich weiß nur, dass ich Film über alles liebe. Seit ich denken kann, habe ich meine Eltern dazu gedrängt, mich zu Castings zu bringen, und als ich bemerkte, dass ich damit auch noch Geld verdienen kann, war es um mich geschehen. Sie können sich vorstellen, dass es mir schwerfällt, auch nur darüber nachzudenken, all das einfach so aufzugeben. Das Interview führte Johannes Bonke